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05 Mai 2020 | Radszene, Rennen, Rennrad

Analyse: GCA Liga Runde 3

Runde 3

Am Samstag wurde auf ZWIFT bereits die dritte Runde der GCA Liga powered by Müller Logistik ausgetragen und als hätte man mich erhört, wurde es diesmal bergig! Die GCA Liga ist quasi die virtuelle Bundesliga in Zeiten der Corona-Pandemie. Brot und Spiele für das Radsport-Volk! An diesem Samstag waren über 400 Teilnehmer am Start des virtuellen Rennens.

Wie bereits bei den letzten Malen möchte ich die Verfügbarkeit der Daten nutzen um das Teilnehmerfeld und die Rennen zu analysieren. Die Analysen aus den vorherigen Runden können hier nachgelesen werden (Runde 1, Runde 2).

Dabei sollen v.a. folgende Fragen beantwortet werden:

Wie auch bei den letzten Malen wird das hier zwangsläufig wieder ein längerer Artikel mit vielen Tabellen und Grafiken. Daher ist der Artikel in mehrere Seiten aufgeteilt. Jeweils am Ende einer Seite kann man eine neue Seite auswählen.

ZWIFT

Mittlerweile dürfte eigentlich fast jeder Radsportler schonmal mit ZWIFT in Berührung gekommen sein bzw. zumindest wissen um was es ungefähr geht. Dennoch eine kurze Erklärung vorab:

ZWIFT ist eine Online-Plattform bei der man zusammen mit anderen in einer virtuellen Welt radfahren kann. Man koppelt dazu seinen Powermeter/Smarttrainer mit ZWIFT und schon kanns losgehen. Bei ZWIFT kommt es - ähnlich wie beim "richtigen" Radsport - nicht nur auf die reine Leistung an. Wenn es darum geht wie schnell man mit seinem virtuellen Rad unterwegs ist dreht sich bei ZWIFT alles um die relative Leistung, also das Verhältnis aus Leistung zum Körpergewicht des Fahrers.

Wie im realen Radsport kann man auch bei ZWIFT Windschatten fahren und damit wertvolle Körner sparen. Zusätzlich - und hier kommt dann die "Gamification" ins Spiel - gibt es aber auch verschiedene Power-Ups, mit denen man sich für kurze Zeit einen Vorteil verschaffen kann. Eines dieser Power-Ups ist beispielsweise der "Aero-Boost", welcher einen für eine kurze Zeit aerodynamischer macht. Eine vollständige Liste der Power-Ups mit Beschreibung findet man bei ZWIFTInsider. Taktik und das geschickte Nutzen der Power-Ups spielt also - neben der eigenen Leistungsfähigkeit - ebenfalls eine Rolle bei ZWIFT-Rennen.

Der Kurs

Endlich - aus Zuschauersicht - Bergankunft! Das dritte Rennen der GCA Liga wurde auf der Strecke "Tour of Fire and Ice" auf der virtuellen Insel Watopia ausgefahren. Die Strecke ist mit kurzer Anfahrt 28 km lang und es müssen 1162 hm auf den "Alpe du Zwift" - ein Nachbau des Legendären Alpe d'Huez - überwunden werden.

Tour of Fire & Ice

Im realen Radsport wäre das eine Etappe die natürlich wie gemacht wäre für die Bergspezialisten. Ob das auf ZWIFT auch der Fall ist, schlüssele ich euch auf den nächsten Seiten auf.

Das Starterfeld der GCA Bundesliga

Insgesamt standen wieder über 400 Männer und 90 Frauen an der virtuellen Startlinie. 270 Männer und 70 Frauen haben laut Ergebnisliste auf Zwiftpower das Ziel erreicht. Damit man einen besseren Eindruck des Starterfeldes erhält habe ich die Daten bereinigt und z.B. Sportler ohne Größenangabe oder Alter aus der deskriptiven Statistik ausgeschlossen. Damit blieben für die Anthropologie 204 Männer und 45 Frauen übrig.

Der durchschnittliche männliche Starter in Runde drei war 27 Jahre alt, wiegt - genau wie beim letzten Mal - 69,7 kg und ist 181,2 cm groß. Auch diesmal gab es wieder eine große Altersspanne von 14 bis 61 Jahren. Das sind unglaubliche 47 Jahre Altersdifferenz! Definitiv ein Alleinstellungsmerkmal für virtuelle Rennen.

n = 204 Gewicht Größe Alter
Mittelwert 69.7 181.2 27.0
Std. Abw. 8.1 7.0 9.4
Minimum 48.0 158.0 14.0
Median 70.0 182.0 25.0
Maximum 90.0 198.0 61.0

Anthropologische Daten des Männer-Starterfelds

Die durchschnittliche Starterin in der dritten Runde der GCA Bundesliga war 27 Jahre alt, wiegt 59,1 kg und ist 169 cm groß. Im dritten Rennen der GCA Liga war die Differenz zwischen jüngster und ältester Teilnehmerin wieder deutlich größer, wenn auch nicht so groß wie im Feld der Männer.

n = 45 Gewicht Größe Alter
Mittelwert 59.1 169.0 27.0
Std. Abw. 5.4 4.9 7.5
Minimum 48.0 157.0 14.0
Median 60.0 170.0 26.0
Maximum 72.0 181.0 47.0

Anthropologische Daten des Frauen-Starterfelds

Schaut man sich die Altersverteilung im Plot an, so sieht man, dass das Alter auch diesmal differenzierter war als noch in Runde eins. Sowohl bei den Frauen, als auch bei den Männern waren vor allem Fahrerinnen und Fahrern von etwa 20 Jahren sehr stark verteten - was natürlich auch an den Juniorinnen und Junioren liegt, die hier im Feld gemeinsam mit der "Elite" starten.

Beim Gewicht sehen wir wieder eine Kurve, welche in die Richtung einer Normalverteilung geht. Wie bereits bei den letzten Austragungen unterscheiden sich Männer und Frauen - erwartungsgemäß - beim Gewicht. Bei den Frauen erkennt man zwei Spitzen, einmal um 55 kg und einmal bei knapp über 60 kg.

Auch in der dritte Runde der GCA Liga unterschieden sich die Teilnehmer nicht wesentlich in der Anthropologie im Vergleich zu den vorherigen Runden. Doch das muss noch nichts für die Leistungsfähigkeit heißen. Also, wie sieht es bei der Leistungsfähigkeit aus?

Die Leistungsfähigkeit der Teilnehmer

Der durchschnittliche männliche Sportler fuhr über die Renndauer von etwa einer Stunde im Schnitt mit 305 W bzw. einer Normalized Power von 309 W. Das entspricht einer durchschnittlichen relativen Leistung von 4,4 W/kg. Das Maximum lag bei knapp 414 W bzw. 5,9 W/kg im Durchschnitt. Die durchschnittliche Leistung über fünf Minuten betrug 353 W, mit einem Maximum von 460 W.

Vergleicht man die Leistung mit den Leistungen aus den vorherigen Runden, dann fallen keine großen Unterschiede auf. In Runde drei war die Differenz zwischen durchschnittlicher Leistung und Normalized Power allerdings wie in Runde 1 sehr gering, das dafür spricht, dass es keine taktischen Spielereien gab, sondern jeder "einfach" seine maximale Leistungsfähigkeit auf den Smarttrainer gebracht hat.

Die durchschnittliche, berechnete VO2max der Männer beträgt 61,9 ml/min/kg. Die VO2max wurde auch diesmal berechnet anhand der Formel des American College of Sports Medicine und der maximalen Leistung über fünf Minuten. Spitzenwerte lagen diesmal bei 77 ml/min/kg. Wobei man die VO2max-Werte mit Vorsicht genießen muss. Die Formel des ACSM kann die VO2max gut annähern, wenn ein All-Out-Test über fünf Minuten vorliegt. Bei ZWIFT-Rennen wird in der Regel sehr hart gestartet, was für einige Sportler bereits "All-Out" bedeutet. Andere wiederrum pacen sich mehr und gehen nicht bzw. müssen evtl. auch nicht an ihr Maximum gehen. Die berechneten VO2max-Werte sind daher vermutlich etwas niedriger als die reale Ausprägung - dennoch geben die berechneten Werte eine Größenordnung an und helfen die Leistungsfähigkeit der Fahrer einschätzen zu können.

n = 247 Leistung
[W]
HF
[S/min]
rel. Leistung
[W/kg]
NP
[W]
CP20
[W]
CP5
[W]
VO2max*
Mittelwert 304.7 174.8 4.4 309.0 321.2 352.8 61.9
Std. Abw. 43.1 9.9 0.6 42.5 42.5 43.8 5.7
Minimum 180.0 139.0 2.8 186.0 195.0 211.0 42.2
Median 305.0 176.0 4.4 308.0 320.0 353.0 62.6
Maximum 414.0 198.0 5.9 423.0 454.0 460.0 77.0

Leistungswerte der Männer (* da für eine korrekte Berechnung ein All-Out-Wert benötigt wird, sind die hier angegebenen individuellen Werte vermutlich etwas niedriger als man sie im Labor messen würde)

Die durchschnittliche Sportlerin fuhr über die Renndauer von etwas mehr als einer Stunde im Schnitt 214 W bzw. erreichte eine Normalized Power von 217 W. Das entspricht einer durchschnittlichen relativen Leistung von 3,6 W/kg. Auch bei den Frauen war die Differenz zwischen durchschnittlicher Leistung und Normalized Power sehr gering, was zeigt, dass im Rennen eine konstant hohe Belastung ohne viele Leistungsspitzen herrschte. Die durchschnittliche Leistung über fünf Minuten betrug 247,8 W. Die durchschnittliche, berechnete VO2max der Frauen beträgt 51,9 ml/min/kg. Die VO2max ist hier ebenfalls anhand der Formel des American College of Sports Medicine und der maximalen Leistung über fünf Minuten berechnet. Spitzenwerte lagen bei 63 ml/min/kg. Auch hier gelten natürlich die gleichen Limitierungen wie bei den Männern.

n = 64 Leistung
[W]
HF
[S/min]
rel. Leistung
[W/kg]
NP
[W]
CP20
[W]
CP5
[W]
VO2max*
Mittelwert 214.0 174.1 3.6 217.2 228.5 247.8 51.9
Std. Abw. 31.7 11.0 0.6 31.2 29.4 30.3 5.6
Minimum 125.0 127.0 2.2 135.0 163.0 185.0 38.4
Median 217.0 174.0 3.6 221.5 231.0 248.5 50.8
Maximum 280.0 198.0 4.7 283.0 295.0 307.0 63.2

Leistungswerte der Frauen (* da für eine korrekte Berechnung ein All-Out-Wert benötigt wird, sind die hier angegebenen individuellen Werte vermutlich etwas niedriger als man sie im Labor messen würde)

Die relative Leistung im Rennen war auch dieses Mal annähernd normalverteilt, mit einem flacheren Verlauf in der Spitze bei den Frauen. Das Feld der Männer war im Bezug auf die relative Leistung etwas homogener als das der Frauen.

Wie bereits bei den vorigen Rennen zeigt sich bei der absoluten Leistung, dass die Frauen in dieser Beziehung ein homogeneres Feld sind als die Männer. Der Unterschied lässt sich allerdings - wie bereits bei den beiden vorangegangenen Rennen - mit der größeren Gewichtsdifferenz bei den Männern erklären.

Leistungsverteilung im Frauen- und Männerfeld.

Bei der Betrachtung der benötigten Zeit zeigt sich, dass das Männer-Peloton homogener und damit kompetitiver war als das Frauenfeld. Die höhere Spitze der Kurve zeigt, dass der Großteil des Feldes innerhalb eines relativ kurzen Zeitraumes ins Ziel kommt.

Im Unterschied zu den ersten beiden Runden sieht man im Plot der Zeit in Abhängigkeit zur Platzierung sehr schön, dass diesmal keine großen Gruppen gleichzeitig ins Ziel gefahren sind, sondern die Fahrer wie an einer Perlenschnur aufgereiht das Ziel erreichen.

Um das Rennen im Männerfeld unter den Top50 zu beenden musste man am Alpe du Zwift min. 4,9 W/kg auf die Pedale bringen. Bei den Damen mussten dazu etwa 3,4 W/kg aufgebracht werden. In dem Plot zeigt sich schon deutlich, dass die relative Leistung ein größerer Einflussfaktor war als bei den beiden ersten Rennen.

Durch die relative Leistung konnten am Alpe du Zwift jeweils 96 % der Zeit bzw. der Platzierung erklärt werden. Lediglich 4 % gingen auf andere Faktoren (Windschatten, Start, Power Ups, Taktik etc.) zurück. Damit zeigt sich deutlich - wie im realen Radsport auch - dass "am Berg" W/kg die Messlatte ist!

Schaut man sich dennoch auch die Leistung im Vergleich zur Platzierung an, erkennt man da zwar noch einen leichten Trend, aber letztlich keine gute Korrelation mehr zwischen absolut erbrachter Leistung und der Platzierung im Rennen.

Schaut man sich auch nochmal das Gewicht im Verhältnis zur Platzierung an, sieht man, dass ein niedriges Gewicht alleine noch keinen Bergfahrer ausmacht. Um vorne zu landen muss man auch die entsprechende Leistungsfähigkeit mitbringen.

Sowohl das Männer, als auch das Frauenfeld boten wieder ein starkes sportliches Niveau. Doch welches Niveau musste man diesmal mitbringen um Chancen auf den Sieg zu haben? Dazu habe ich mir die Anthropologie und die Leistungsdaten der Top 10 nochmal genauer angeschaut.

Bei der Anthropologie zeigen sich diesmal deutlichere Unterschiede zum gesamten Feld. Die Top 10 war leichter und jünger als der durchschnittliche Starter. Der schwerste Fahrer in der Top10 wog lediglich 75 kg bei 193 cm Körpergröße.

Top10 Männer Gewicht Größe Alter
Mittelwert 65.5 181.1 23.9
Std. Abw. 6.9 9.8 2.5
Minimum 52.0 165.0 21.0
Median 67.0 181.5 24.0
Maximum 75.0 193.0 27.0

Anthropologie der Top10 der Männer

Auch bei der Leistungsfähigkeit zeigen sich sehr deutliche Unterschiede: die durchschnittliche Leistung lag ca. 60 W höher als im Schnitt. Die relative Leistung liegt entsprechend bei 5,6 W/kg und die NP bei 369 W. Um die Top10 zu knacken benötigte man eine minimale VO2max von 70 ml/min/kg mit einem Spitzenwert von 77 ml/min/kg (bei allen Limitationen).

Top10 Männer Leistung
[W]
HF
[S/min]
rel. Leistung
[W/kg]
NP
[W]
CP20
[W]
CP5
[W]
VO2max*
Mittelwert 365.3 176.5 5.6 369.0 381.4 399.6 73.0
Std. Abw. 36.5 6.2 0.2 37.4 42.7 40.9 2.8
Minimum 297.0 168.0 5.3 301.0 310.0 332.0 68.6
Median 368.0 175.0 5.6 370.0 380.5 398.0 72.6
Maximum 414.0 187.0 5.9 423.0 454.0 460.0 77.0

Leistungsfähigkeit der Top 10 der Männer

Nun zu den Frauen: anders als bei den Männern gab es bei der Anthropologie der Top10 keine nennenswerten Unterschiede zum Rest der Teilnehmerinnen. Auffallend ist lediglich das etwas höhere Durchschnittsalter der Top10. Bemerkenswert ist auch, dass die älteste Teilnehmerin (47 Jahre) es unter die Top10 geschafft hat.

Top10 Frauen Gewicht Größe Alter
Mittelwert 58.3 167.8 30.3
Std. Abw. 5.1 5.0 7.7
Minimum 52.7 158.0 20.0
Median 55.8 168.0 31.0
Maximum 66.6 173.0 47.0

Anthropologie der Top 10 der Frauen

Wie bereits bei den Männern unterscheiden sich die Top 10 der Frauen leistungstechnisch vom Rest des Feldes in der durchschnittlichen Leistung (+ 40 W), damit auch in der relativen Leistung (+ 0,8 W/kg), der NP (+ 41 W) und der VO2max (+ 8 ml/min/kg). Damit erreichten auch die Top10 der Frauen diesmal deutlich höhere Werte als der Rest des Feldes.

Top10 Frauen Leistung
[W]
HF
[S/min]
rel. Leistung
[W/kg]
NP
[W]
CP20
[W]
CP5
[W]
VO2max*
Mittelwert 255.4 175.0 4.4 258.3 265.9 281.1 59.2
Std. Abw. 17.9 6.8 0.2 18.5 20.3 21.0 2.6
Minimum 232.0 163.0 4.1 235.0 241.0 255.0 55.8
Median 253.5 176.0 4.4 257.5 267.5 278.5 59.0
Maximum 280.0 188.0 4.7 283.0 295.0 307.0 63.2

Leistungsfähigkeit Top 10 der Frauen

Zusammenfassung

Die Rennen der GCA Liga powered by Müller Logistik werden weiterhin sehr gut angenommen - das beweisen die ansteigenden Teilnehmerzahlen. Laut Angabe des BDR waren knapp 500 Fahrerinnen und Fahrer gemeldet. Ins Ziel kamen knapp 350 Fahrerinnen und Fahrer.

Anzahl Finisher nach Ergebnisliste von Zwiftpower

Die durchschnittliche Leistungsfähigkeit des Feldes unterschied sich nicht wesentlich von der Leistungsfähigkeit in den ersten beiden Runden. Es zeigte sich dennoch, dass diesmal in der Spitze eine deutlich höhere Leistungsfähigkeit nötig war als in den ersten Ausgaben der GCA Liga. Das lag bei den Männern v.a. auch daran, dass Bike AID diesmal mit einer kompletten Mannschaft am Start stand um Lucas Carstensen zu unterstützen, aber auch an Fahrern wie Jason Osborne und Ben Zwiehoff, die letztlich auch das Rennen unter sich ausmachten.

Wie immer müssen viele Punkte als gegeben hingenommen werden. Die Ergebnisse sind natürlich stark davon abhängig, ob die Fahrer mit ihrem Gewicht ehrlich sind. Weiterhin spielen technische Details wie z.B. der generellen Genauigkeit des Powermeters/Smarttrainers eine Rolle. Die Genauigkeit wird bei den meisten Geräten in einer Range von +- 1,5 - 2 % angegeben. Bei 300 W durchschnittlicher Leistung können das maximale Differenzen von 12 W sein! Bei einem leichten Fahrer mit 65 kg oder weniger ist das bereits eine beachtliche Differenz. Weiterhin spielen aber auch ganz profane Dingen wie die Kalibrierung dieser Geräte in die Genauigkeit der Daten mit rein. Trotz aller Limitationen bieten die Daten eine einzigartige Möglichkeit eine gute Vorstellungen von den erbrachten Leistungen zu erhalten. Vergleichbare Daten kennen wir sonst nur aus dem Profi-Sport von z.B. velon, welche aber natürlich ihre Daten nicht in dieser Breite veröffentlichen.

Das vierte Rennen findet am kommenden Samstag, dem 9.5.20 statt und wird ab 16:30 Uhr wieder auf YouTube gestreamt und von Bastian Marks und Rick Zabel kommentiert.

Analyse Bundesliga eCycling Rennen Rennrad


27 Apr 2020 | Radszene, Rennen, Rennrad

Analyse: GCA Liga Runde 2

GCA Liga Runde 2

Am Samstag wurde auf ZWIFT die zweite Runde der GCA Liga powered by Müller Logistik ausgetragen. Die GCA Liga ist quasi die virtuelle Bundesliga in Zeiten der Corona-Pandemie. Brot und Spiele für das Radsport-Volk! Auch dieses Mal waren über 300 Teilnehmer am Start des virtuellen Rennens. Das Angebot des BDR wird weiterhin gut angenommen. Für die zweite Runde der GCA Liga lief auch die Übertragung auf YouTube perfekt. Dieses Mal gab es eine entscheidende Neuerung: das Frauen- und Männerrennen wurde mit einem zeitlichen Abstand von fünf Minuten gestartet, damit die Frauen ihr eigenes Rennen erhalten. Eine sehr gute Änderung die es erlaubte das Frauenrennen besser zu verfolgen. Beide Rennen waren spannend bis zum Schluss und wurden jeweils in einem Zielsprint entschieden.

Wie bereits beim letzten Mal möchte ich die Verfügbarkeit der Daten nutzen um das Teilnehmerfeld und die Rennen zu analysieren.

Dabei sollen v.a. folgende Fragen beantwortet werden:

ZWIFT

Mittlerweile dürfte eigentlich fast jeder Radsportler schonmal mit ZWIFT in Berührung gekommen sein bzw. zumindest wissen um was es ungefähr geht. Dennoch eine kurze Erklärung vorab:

ZWIFT ist eine Online-Plattform bei der man zusammen mit anderen in einer virtuellen Welt radfahren kann. Man koppelt dazu seinen Powermeter/Smarttrainer mit ZWIFT und schon kanns losgehen. Bei ZWIFT kommt es - ähnlich wie beim "richtigen" Radsport - nicht nur auf die reine Leistung an. Wenn es darum geht wie schnell man mit seinem virtuellen Rad unterwegs ist dreht sich bei ZWIFT alles um die relative Leistung, also das Verhältnis aus Leistung zum Körpergewicht des Fahrers.

Wie im realen Radsport kann man auch bei ZWIFT Windschatten fahren und damit wertvolle Körner sparen. Zusätzlich - und hier kommt dann die "Gamification" ins Spiel - gibt es aber auch verschiedene Power-Ups, mit denen man sich für kurze Zeit einen Vorteil verschaffen kann. Eines dieser Power-Ups ist beispielsweise der "Aero-Boost", welcher einen für eine kurze Zeit aerodynamischer macht. Eine vollständige Liste der Power-Ups mit Beschreibung findet man bei ZWIFTInsider. Taktik und das geschickte Nutzen der Power-Ups spielt also - neben der eigenen Leistungsfähigkeit - ebenfalls eine Rolle bei ZWIFT-Rennen.

Der Kurs

Das zweite Rennen der GCA Liga wurde auf dem "Innsbruckring" im virtuellen Innsbruck ausgefahren. Die Runde ist 8,8 km lang und es müssen 72 hm überwunden werden. Der einzige Anstieg auf der Strecke ist der "Leg Snapper" mit 450 m Länge und einer durchschnittlichen Steigung von 8 %.

Im zweiten Rennen der GCA Liga wurde diese Runde (inkl. kleiner Anfahrt) fünf Mal gefahren, so dass man auf 44 km mit 360 hm kommt.

Innsbruckring

Obwohl die Strecke eine ähnliche Distanz und Höhendifferenz aufwies als in der ersten Runde der GCA Liga, zeigt sich bereits in Runde 1 des Rennens, dass die Selektion am "Leg Snapper" geschehen würde. Sowohl im Frauen- als auch im Männerrennen trennte sich dort die Spreu vom Weizen.

Das Starterfeld der GCA Bundesliga

Insgesamt standen laut Angabe des BDR auf rad-net über 400 Männer und 90 Frauen an der virtuellen Startlinie. 234 Männer und 59 Frauen haben laut Ergebnisliste auf Zwiftpower das Ziel erreicht. Damit man einen besseren Eindruck des Starterfeldes erhält habe ich die Daten bereinigt und z.B. Sportler ohne Größenangabe oder Alter aus der deskriptiven Statistik ausgeschlossen. Damit blieben für die Anthropologie 170 Männer und 42 Frauen übrig.

Der durchschnittliche männliche Starter in Runde zwei war 26,4 Jahre alt, wiegt 69,7 kg und ist 181,5 cm groß. Auch diesmal gab es wieder eine große Altersspanne von 15 bis 60 Jahren.

n = 170 Gewicht Größe Alter
Mittelwert 69.7 181.5 26.4
Std. Abw. 7.2 5.9 8.2
Minimum 47.0 163.0 15.0
Median 69.0 182.0 25.0
Maximum 90.0 194.0 60.0

Anthropologische Daten des Männer-Starterfelds

Die durchschnittliche Starterin in der zweiten Runde der GCA Bundesliga war 26,4 Jahre alt, wiegt 59,2 kg und ist 168,3 cm groß. Diesmal war die Bandbreite zwischen jüngster und ältester Teilnehmerin mit einer Differenz von nur 22 Jahren deutlich geringer als in der ersten Runde und auch deutlich geringer als bei den Männern.

n = 42 weight height age
Mittelwert 59.2 168.4 26.4
Std. Abw. 5.2 4.7 6.6
Minimum 49.2 157.0 15.0
Median 60.0 169.0 26.0
Maximum 74.0 180.0 37.0

Anthropologische Daten des Frauen-Starterfelds

Schaut man sich die Altersverteilung im Plot an, so sieht man, dass das Alter diesmal deutlich differenzierter war als noch in Runde eins. Sowohl bei den Frauen, als auch bei den Männern waren zwei Spitzen bei den Fahrerinnen und Fahrern von 20 Jahren und den Fahrerinnen und Fahrern um 30 Jahren auszumachen. Vor allem die Junioren und Juniorinnen waren in der zweiten Runde stark vertreten.

Beim Gewicht sehen wir wieder eine Kurve, welche in die Richtung einer Normalverteilung geht. Anders als beim Alter sehen wir hier eine, ebenfalls erwartbare, deutlichere Differenzierung zwischen Männer und Frauen.

Die zweite Runde der GCA Liga unterschied sich in der Anthropologie der Teilnehmer also nur wenig von Runde eins. Wie sieht es aber bei der Leistungsfähigkeit aus?

Die Leistungsfähigkeit der Teilnehmer

Der durchschnittliche männliche Sportler fuhr über die Renndauer von etwa einer Stunde im Schnitt mit 299 W bzw. einer Normalized Power von 313 W. Das entspricht einer durchschnittlichen relativen Leistung von 4,3 W/kg. Das Maximum lag bei knapp 370 W bzw. 5,3 W/kg im Durchschnitt. Die durchschnittliche Leistung über fünf Minuten betrug 362 W, mit einem Maximum von 449 W.

Vergleicht man die Leistung mit der aus der ersten Runde fallen keine großen Unterschiede auf. Lediglich eine größere Differenz zwischen durchschnittlicher Leistung und NP ist auffällig, was dafür spricht, dass das Rennen taktischer war bzw. nicht die ganze Zeit am Limit gefahren wurde, sondern zwischendurch harte Attacken gefahren wurden.

Die durchschnittliche, berechnete VO2max der Männer beträgt 62,8 ml/min/kg. Die VO2max wurde auch diesmal berechnet anhand der Formel des American College of Sports Medicine und der maximalen Leistung über fünf Minuten. Spitzenwerte lagen diesmal bei über 75 ml/min/kg. Wobei man die VO2max-Werte mit Vorsicht genießen muss. Die Formel des ACSM kann die VO2max gut annähern, wenn ein All-Out-Test über fünf Minuten vorliegt. Bei ZWIFT-Rennen wird in der Regel sehr hart gestartet, was für einige Sportler bereits "All-Out" bedeutet. Andere wiederrum pacen sich mehr und gehen nicht bzw. müssen evtl. auch nicht an ihr Maximum gehen. Die berechneten VO2max-Werte sind daher vermutlich etwas niedriger als die reale Ausprägung - dennoch geben die berechneten Werte eine Größenordnung an und helfen die Leistungsfähigkeit der Fahrer einschätzen zu können.

n = 219 Leistung
[W]
HF
[S/min]
rel. Leistung
[W/kg]
NP
[W]
CP20
[W]
CP5
[W]
VO2max*
Mittelwert 299.8 172.8 4.3 313.5 322.4 361.9 62.8
Std. Abw. 37.8 9.7 0.5 39.9 38.8 42.3 5.6
Minimum 188.0 134.0 2.9 198.0 208.0 219.0 43.2
Median 304.0 172.0 4.3 316.0 326.0 368.0 63.2
Maximum 368.0 199.0 5.3 405.0 405.0 449.0 75.2

Leistungswerte der Männer (* da für eine korrekte Berechnung ein All-Out-Wert benötigt wird, sind die hier angegebenen individuellen Werte vermutlich etwas niedriger als man sie im Labor messen würde)

Die durchschnittliche Sportlerin fuhr über die Renndauer von etwas mehr als einer Stunde im Schnitt 211 W bzw. erreichte eine Normalized Power von 217 W. Das entspricht einer durchschnittlichen relativen Leistung von 3,5 W/kg. Die durchschnittliche Leistung über fünf Minuten betrug 249 W, mit Maximalwerten von etwa 317 W. Die durchschnittliche, berechnete VO2max der Frauen beträgt 55,0 ml/min/kg. Die VO2max ist hier ebenfalls anhand der Formel des American College of Sports Medicine und der maximalen Leistung über fünf Minuten berechnet. Spitzenwerte lagen bei 65 ml/min/kg. Auch hier gelten natürlich die gleichen Limitierungen wie bei den Männern. Interessant zu sehen hier, dass im Damenrennen ein höheres Tempo angeschlagen wurde und es weniger Leistungsspitzen gab als im Herrenrennen. Zudem lag die maximale relative Leistung dieses Mal "nur" bei 4,5 W/kg und damit nur knapp über dem Durchschnitt im Herrenrennen.

n = 55 Leistung
[W]
HF
[S/min]
rel. Leistung
[W/kg]
NP
[W]
CP20
[W]
CP5
[W]
VO2max*
Mittelwert 211.1 176.7 3.5 217.4 224.6 248.8 52.1
Std. Abw. 28.4 9.7 0.5 29.5 29.8 31.3 5.9
Minimum 152.0 155.0 2.5 157.0 165.0 186.0 39.2
Median 208.0 176.0 3.5 212.0 222.0 244.0 51.1
Maximum 278.0 200.0 4.5 280.0 293.0 317.0 65.1

Leistungswerte der Frauen (* da für eine korrekte Berechnung ein All-Out-Wert benötigt wird, sind die hier angegebenen individuellen Werte vermutlich etwas niedriger als man sie im Labor messen würde)

Die relative Leistung im Rennen war auch dieses Mal annähernd normalverteilt, mit leichter Rechtsverschiebung bei den Frauen und einem flacheren Verlauf im linken Kurvenbereich bei den Männern. Das Feld der Männer war im Bezug auf die relative Leistung etwas homogener als das der Frauen.

Schaut man sich hingegen die absolute Leistung an, ist noch deutlicher als beim letzten Mal erkennbar, dass das Peloton der Frauen homogener war (höhere Spitze der Kurve vs. flacherer Verlauf) als das Feld der Männer. Die Differenz ist erklärbar durch die größere Standardabweichung beim Gewicht der Männer. Während bei den Frauen die Differenz der leichtesten zur schwersten Fahrerin nur ca. 33 % betrug, lag die Differenz im Feld der Männer bei 48 %.

Leistungsverteilung im Frauen- und Männerfeld.

Betrachtet man schließlich die Gesamtzeiten zeigt sich, dass das Feld der Männer eine höhere Leistungsdichte aufwies. Das Gros des Männerfeldes kam mit einer Zeit von knapp unter einer Stunde ins Ziel. Danach kamen nur noch kleinere Gruppen an. Bei den Frauen hingegen zeigt der erste große Balken, dass es eine deutliche Leistungsdifferenz zwischen der Spitze des Rennens und dem Rest des Feldes gab.

Im folgendem interaktiven Plot erkennt man sehr schön die Zeitunterschiede in Bezug zur Platzierung. Die Leistungsdichte im Peloton der Männer war sehr hoch. Auch wenn die Strecke am Leg Snapper diesmal selektiver war als in Runde 1, kommen die meisten Fahrer dennoch im Prinzip in zwei großen Gruppen ins Ziel:

Ähnlich wie in Runde eins benötigte man auch diesmal etwa 4,5 W/kg um bei den Männern das Rennen unter den Top50 zu beenden. Der Großteil der Sportler bringt wieder mehr als 4 W/kg auf die Kurbel. Bei den Damen bringt die Hälfte der Fahrerinnen mehr als 3,5 W/kg auf die Kurbel.

Den größten Einfluss auf die Zeit hatte auch diesmal die relative Leistung mit -0,81 bei den Männern und -0,89 bei den Frauen. Das heißt 81 % des Ergebnisses, respektive 89 % bei den Frauen lässt sich mit der relativen Leistung erklären und nur 19 %, bzw. 11 % gehen auf andere Faktoren (Windschatten, Taktik, Streckenkenntnisse, Power-Ups,...) zurück. Im Vergleich zum ersten Rennen fällt damit ein größerer Anteil am Ergebnis auf andere Faktoren (Windschatten, PowerUps, Taktik) als die Leistung. Das wiederrum spricht dafür, dass die Rennen dieses mal mehr von Taktik geprägt wurden als von der reinen Leistungsfähigkeit. Auch die Tatsache, dass das Frauen- und Männerrennen seperat gestartet wurden trägt vermutlich seinen Teil dazu bei.

Schaut man sich die Leistung im Vergleich zur Platzierung an, erkennt man, wie bereits in Runde eins, immer noch einen Trend, welcher aber nicht mehr so deutlich hervor tritt wie beim Vergleich zwischen relativer Leistung und der Platzierung.

Auch diesmal war der Kurs zu "leicht" um den leichteren Fahrern einen Vorteil zu bieten. Basti Marks und Rick Zabel erwähnten im Live-Stream, dass eins der Rennen auf Alpe du Zwift ausgetragen werden soll. Es wird interessant zu sehen welchen Einfluss da das Gewicht spielen wird.

Sowohl das Männer, als auch das Frauenfeld boten wieder ein starkes sportliches Niveau. Doch welches Niveau musste man diesmal mitbringen um Chancen auf den Sieg zu haben? Dazu habe ich mir die Anthropologie und die Leistungsdaten der Top 10 nochmal genauer angeschaut.

Bei der Anthropologie zeigen sich wenig Unterschiede zum gesamten Feld. Die Top 10 ist minimal schwerer und etwas jünger als der durchschnittliche Starter.

Top10 Männer Gewicht Größe Alter
Mittelwert 70.6 182.4 26.6
Std. Abw. 6.9 6.6 4.8
Minimum 60.0 171.0 16.0
Medium 69.5 183.0 26.0
Maximum 82.3 192.0 35.0

Anthropologie der Top10 der Männer

Bei der Leistungsfähigkeit sehen wir dann allerdings (erwartungsgemäß) deutliche Unterschiede zum Rest des Pelotons: die durchschnittliche Leistung lag ca. 30 W höher als im Schnitt. Die relative Leistung liegt entsprechend höher bei 4,7 W/kg und die NP bei 360 W. Die berechnete VO2max (mit allen Limitationen) ist ebenfalls höher mit 69,4 ml/min/kg. Die Werte liegen allerdings insgesamt nicht so weit vom Durchschnitt entfernt wie noch in Runde eins.

Top10 Männer Leistung
[W]
HF
[S/min]
rel. Leistung
[W/kg]
NP
[W]
CP20
[W]
CP5
[W]
VO2max*
Mittelwert 332.7 172.9 4.7 358.5 347.9 405.9 69.4
Std. Abw. 21.7 7.2 0.2 26.4 25.0 26.4 4.1
Minimum 292.0 162.0 4.5 316.0 308.0 369.0 61.6
Median 333.0 173.5 4.8 356.0 350.5 402.0 69.0
Maximum 368.0 186.0 5.0 405.0 389.0 449.0 74.9

Leistungsfähigkeit der Top 10 der Männer

Nun zu den Frauen: auch hier gibt es in Bezug zur Anthropologie keine nennenswerten Differenzen zur Gesamtheit des Feldes.

Top10 Frauen Gewicht Größe Alter
Mittelwert 57.4 167.2 28.8
Std. Abw. 5.6 6.1 4.6
Minimum 49.2 157.0 21.0
Median 56.0 168.0 30.5
Maximum 68.0 175.0 34.0

Anthropologie der Top 10 der Frauen

Wie bereits bei den Männern unterscheiden sich die Top 10 der Frauen leistungstechnisch vom Rest des Feldes in der durchschnittlichen Leistung (+ 24 W), damit auch in der relativen Leistung (+ 0.6 W/kg), der NP (+ 29 W) und der VO2max (+ 7 ml/min/kg). Hier liegen die Werte der Top 10 etwa eine Standardabweichung höher als bei der Gesamtheit des Feldes.

Top10 Frauen Leistung
[W]
HF
[S/min]
rel. Leistung
[W/kg]
NP
[W]
CP20
[W]
CP5
[W]
VO2max*
Mittelwert 235.5 173.6 4.1 246.2 248.3 279.1 59.6
Std. Abw. 20.0 9.1 0.2 24.1 25.4 28.1 4.0
Minimum 202.0 155.0 3.8 208.0 209.0 228.0 54.2
Median 237.0 174.0 4.0 246.0 249.5 283.0 60.0
Maximum 262.0 188.0 4.5 280.0 278.0 317.0 65.1

Leistungsfähigkeit Top 10 der Frauen

Zusammenfassung

Auch die zweite Runde der GCA Liga powered by Müller Logistik wurde von den deutschen Radsportlern sehr gut angenommen. Laut Angabe des BDR standen knapp 500 Fahrerinnen und Fahrer am Start und haben ein tolles virtuelles Rennen abgeliefert. Ins Ziel kamen knapp 300 Fahrerinnen und Fahrer.

Die Leistungsfähigkeit des Feldes unterschied sich nicht wesentlich von der Leistungsfähigkeit in der ersten Runde. Es hat sich gezeigt, dass die zweite Runde bereits viel taktischer gefahren wurde - vermutlich weil ein Großteil des Feldes nun mit den taktischen Eigenheiten einen ZWIFT-Rennens bereits etwas besser zu recht kommt.

Wie auch in Runde eins müssen bei der Analyse viele Punkte als gegeben hingenommen werden. Die Ergebnisse sind natürlich stark davon abhängig, ob die Fahrer mit ihrem Gewicht ehrlich sind. Weiterhin spielen technische Details wie z.B. der generellen Genauigkeit des Powermeters/Smarttrainers eine Rolle. Die Genauigkeit wird bei den meisten Geräten in einer Range von +- 1,5 - 2 % angegeben. Bei 300 W durchschnittlicher Leistung können das maximale Differenzen von 12 W sein! Bei einem leichten Fahrer mit 65 kg oder weniger ist das bereits eine beachtliche Differenz. Weiterhin spielen aber auch ganz profane Dingen wie die Kalibrierung dieser Geräte in die Genauigkeit der Daten mit rein. Trotz aller Limitationen bieten die Daten eine einzigartige Möglichkeit eine gute Vorstellungen von den erbrachten Leistungen zu erhalten. Vergleichbare Daten kennen wir sonst nur aus dem Profi-Sport von z.B. velon, welche aber natürlich ihre Daten nicht in dieser Breite veröffentlichen.

Das nächste Rennen findet am kommenden Samstag, dem 2.5.20 statt und wird ab 16:30 Uhr wieder auf YouTube gestreamt und von Bastian Marks und Rick Zabel kommentiert. Ich werde die Rennen weiterhin verfolgen und freue mich auf bergigere Etappen und die dort gewonnenen Einblicke aus den Daten!

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21 Apr 2020 | Radszene, Rennen, Rennrad

Analyse: GCA Liga Runde 1

GCA Liga Runde 1

Am Wochenende wurde auf ZWIFT die erste Runde der GCA Liga powered by Müller Logistik ausgetragen. Die GCA Liga ist quasi die virtuelle Bundesliga in Zeiten der Corona-Pandemie. Brot und Spiele für das Radsport-Volk! Mit über 300 Teilnehmern wurde das Angebot des BDR beim ersten Rennen direkt gut angenommen. Neben kleineren technischen Schwierigkeiten bei der Live-Übertragung (auf YouTube bot das Rennen - wohl auch wegen der kurzen Renndauer - ganz nette Unterhaltung mit einem spannenden Zielsprint.

Als ich mir das Rennen auf YouTube angeschaut habe sind mir direkt ein paar Fragen durch den Kopf geschossen: Wie groß ist das Feld? Wer fährt hier mit? Wie stark ist das Feld? Was für eine Rolle spielt die Erfahrung in ZWIFT Rennen? Werden Teams versuchen Teamtaktiken anzuwenden? usw.

Für den radsportbegeisterten Sportwissenschaftler sind virtuelle Rennen natürlich sowas wie der Sechser im Lotto: mitmachen darf nur wer ein Powermeter und einen HF-Sensor hat und im Anschluss werden die Daten - samt Alter, Größe und Gewicht - veröffentlicht.

Das reicht schon als Grund um mal einen Blick in die Daten zu werfen. Aber Achtung, Nerd-Alert! ;)

Konkret haben mich folgende Fragen interessiert:

ZWIFT

Mittlerweile dürfte eigentlich fast jeder Radsportler schonmal mit ZWIFT in Berührung gekommen sein bzw. zumindest wissen um was es ungefähr geht. Dennoch eine kurze Erklärung vorab:

ZWIFT ist eine Online-Plattform bei der man zusammen mit anderen in einer virtuellen Welt radfahren kann. Man koppelt dazu seinen Powermeter/Smarttrainer mit ZWIFT und schon kanns losgehen. Bei ZWIFT kommt es - ähnlich wie beim "richtigen" Radsport - nicht nur auf die reine Leistung an. Wenn es darum geht wie schnell man mit seinem virtuellen Rad unterwegs ist dreht sich bei ZWIFT alles um die relative Leistung, also das Verhältnis aus Leistung zum Körpergewicht des Fahrers.

Wie im realen Radsport kann man auch bei ZWIFT Windschatten fahren und damit wertvolle Körner sparen. Zusätzlich - und hier kommt dann die "Gamification" ins Spiel - gibt es aber auch verschiedene Power-Ups, mit denen man sich für kurze Zeit einen Vorteil verschaffen kann. Eines dieser Power-Ups ist beispielsweise der "Aero-Boost", welcher einen für eine kurze Zeit aerodynamischer macht. Eine vollständige Liste der Power-Ups mit Beschreibung findet man bei ZWIFTInsider. Taktik und das geschickte Nutzen der Power-Ups spielt also - neben der eigenen Leistungsfähigkeit - ebenfalls eine Rolle bei ZWIFT-Rennen.

Der Kurs

Das erste Rennen der GCA Liga wurde auf der Strecke "Sand and Sequoias" auf der virtuellen Insel "Watopia" ausgefahren. Die Runde ist 20 km lang und mit 147 hm eher flach. Anfang und Ende der Strecke sind quasi topfeben, wobei es im mittleren Teil durch "rolling hills" geht. Insgesamt drei kleinere Anstiege im Wechsel mit kurzen Abfahrten.

Beim ersten Rennen der GCA Liga wurde diese Runde (inkl. kleiner Anfahrt) zwei Mal gefahren, so dass man auf 43 km mit knapp über 300 hm kommt.

Sand and Sequioas

Auf Grund der Tatsache, dass die Strecke eher flach ist und es vermutlich zu einem Zielsprint kommen wird, würde man in einem normalen Rennen davon ausgehen, dass leichte Fahrer hier wenig Siegchancen haben. Die Tatsache, dass in ZWIFT aber die Geschwindigkeit im Flachen von der relativen Leistung abhängig ist und nicht von der absoluten Leistung ermöglicht es theoretisch auch leichten Fahrern auf einem flachen Kurs um den Sieg mitzufahren.

Das Starterfeld der GCA Bundesliga

Insgesamt standen laut Angabe des BDR auf rad-net über 300 Männer an der virtuellen Startlinie. 244 Männer haben laut Ergebnisliste auf Zwiftpower das Ziel erreicht. Damit man einen besseren Eindruck des Starterfeldes erhält habe ich die Daten bereinigt und z.B. Sportler ohne Größenangabe oder Alter aus der deskriptiven Statistik ausgeschlossen. Damit blieben 177 Männer und 47 Frauen übrig.

Der durchschnittliche männliche Starter ist 27,6 Jahre alt, wiegt 70,3 kg und ist 181,4 cm groß. Wobei ich hier vor allem die große Altersspanne von 15 bis 57 Jahren bemerkenswert fand.

n = 177 Gewicht Größe Alter
Mittelwert 70.3 181.4 27.6
Std. Abw. 7.3 6.8 8.6
Minimum 52.0 163.0 15.0
Median 70.0 182.0 26.0
Maximum 91.0 198.0 57.0

Anthropologische Daten des Männer-Starterfelds

Die durchschnittliche Starterin in der ersten Runde der GCA Bundesliga ist 27,3 Jahre alt, wiegt 60,9 kg und ist 169,2 cm groß. Auch hier gab es eine große Bandbreite zwischen jüngster und ältester Teilnehmerin.

n = 47 Gewicht Größe Alter
Mittelwert 60.9 169.2 27.3
Std. Abw. 5.4 5.3 7.3
Minimum 50.0 158.0 15.0
Median 60.5 170.0 27.0
Maximum 74.0 181.0 51.0

Anthropologische Daten des Frauen-Starterfelds

Schaut man sich die Altersverteilung im Plot an, so sieht man, dass das Alter der Starterinnen und Starter annähernd normalverteilt ist - mit leichtem Ausschlag nach rechts, also zu den älteren Sportlern. Bei den Männern kann man zwei Spitzen ausmachen: zum einen die Junioren (34 Starter) und zum anderen die Sportler Ende 20/Anfang 30.

Auch beim Gewicht sehen wir annähernde Normalverteilung - was aber auch erwartbar war. Anders als beim Alter sehen wir hier eine, ebenfalls erwartbare, deutlichere Differenzierung zwischen Männer und Frauen.

Wir haben nun einen schönen Eindruck wie das Starterfeld bei der ersten Runde der GCA Liga ausgesehen hat. Die nächste Frage, die ich gerne beantworten würde, ist: wie ist das Niveau der Fahrer?

Die Leistungsfähigkeit der Teilnehmer

Der durchschnittliche männliche Sportler fuhr über die Renndauer von etwa einer Stunde im Schnitt mit 300 W bzw. einer Normalized Power von 308 W. Das entspricht einer durchschnittlichen relativen Leistung von 4,3 W/kg. Das Maximum lag bei knapp unter 400 W bzw. 5,3 W/kg im Durchschnitt. Die durchschnittliche Leistung über fünf Minuten betrug 354 W, mit Maximalwerten von über 450 W.

Die durchschnittliche, berechnete VO2max der Männer beträgt 61,3 ml/min/kg. Die VO2max ist berechnet anhand der Formel des American College of Sports Medicine und der maximalen Leistung über fünf Minuten. Spitzenwerte lagen bei über 70 ml/min/kg. Wobei man die VO2max-Werte mit Vorsicht genießen muss. Die Formel des ACSM kann die VO2max gut annähern, wenn ein All-Out-Test über fünf Minuten vorliegt. Bei ZWIFT-Rennen wird in der Regel sehr hart gestartet, was für einige Sportler bereits "All-Out" bedeutet. Andere wiederrum pacen sich mehr und gehen nicht bzw. müssen evtl. auch nicht an ihr Maximum gehen. Die berechneten VO2max-Werte sind daher vermutlich etwas niedriger als die reale Ausprägung - dennoch geben die berechneten Werte eine Größenordnung an und helfen die Leistungsfähigkeit der Fahrer einschätzen zu können.

n = 220 Leistung
[W]
HF
[S/min]
rel. Leistung
[W/kg]
NP
[W]
CP20
[W]
CP5
[W]
VO2max*
Mittelwert 300.7 175.0 4.3 308.5 323.2 354.5 61.3
Std. Abw. 39.9 9.4 0.5 40.2 39.5 41.0 5.1
Minimum 186.0 138.0 2.8 194.0 204.0 223.0 42.2
Median 301.0 175.0 4.3 308.5 323.5 355.5 61.6
Maximum 392.0 198.0 5.3 406.0 412.0 461.0 72.8

Leistungswerte der Männer

*(da für eine korrekte Berechnung ein All-Out-Wert benötigt wird, sind die hier angegebenen individuellen Werte vermutlich etwas niedriger als man sie im Labor messen würde)

Die durchschnittliche Sportlerin fuhr über die Renndauer von etwas mehr als einer Stunde im Schnitt 217 W bzw. erreichte eine Normalized Power von 220 W. Das entspricht einer durchschnittlichen relativen Leistung von 3,6 W/kg. Das Maximum wurde von der Siegerin Romy Kasper mit 298 W bzw. 5,1 W/kg erreicht. Damit lag die relative Leistung der Siegerin nur knapp unter dem Top-Wert der Männer, was sich auch darin zeigt, dass die Siegerin mit der Spitzengruppe der Männer ins Ziel kam. Die durchschnittliche Leistung über fünf Minuten betrug 256 W, mit Maximalwerten von etwa 330 W.

Die durchschnittliche, berechnete VO2max der Frauen beträgt 53,0 ml/min/kg. Die VO2max ist hier ebenfalls anhand der Formel des American College of Sports Medicine und der maximalen Leistung über fünf Minuten berechnet. Spitzenwerte lagen bei 68 ml/min/kg und damit nicht weit von den Männern entfernt. Jedoch gelten auch hier natürlich die gleichen Limitierungen wie bei den Männern.

n = 47 Leistung
[W]
HF
[S/min]
rel. Leistung
[W/kg]
NP
[W]
CP20
[W]
CP5
[W]
VO2max*
Mittelwert 216.8 177.6 3.6 220.7 232.5 256.1 53.0
Std. Abw. 30.6 8.9 0.5 30.6 31.1 33.9 6.1
Minimum 151.0 163.0 2.7 156.0 172.0 193.0 39.7
Median 215.0 177.0 3.6 218.0 231.0 256.0 52.9
Maximum 298.0 195.0 5.1 303.0 316.0 333.0 68.0

Leistungswerte der Frauen

*(da für eine korrekte Berechnung ein All-Out-Wert benötigt wird, sind die hier angegebenen individuellen Werte vermutlich etwas niedriger als man sie im Labor messen würde)

Die Tatsache, dass sowohl bei den Männern, als auch bei den Frauen die durchschnittliche Leistung nahe an der Normalized Power liegt, spricht dafür, dass das Rennen von den meisten Fahrern sehr gleichmäßig gepaced wurde und wenig Leistungsspitzen aufgetreten sind.

Die relative Leistung im Rennen war annähernd normalverteilt, mit leichter Rechtsverschiebung bei den Frauen und leichter Linksverschiebung bei den Männern. Das Feld der Männer war im Bezug auf die relative Leistung etwas homogener als das der Frauen.

Schaut man sich hingegen die absolute Leistung an, ist deutlich erkennbar, dass das Peloton der Frauen homogener war (höhere Spitze der Kurve vs. flacherer Verlauf) als das Feld der Männer. Die Differenz ist erklärbar durch die größere Standardabweichung beim Gewicht der Männer. Während bei den Frauen die Differenz der leichtesten zur schwersten Fahrerin knapp unter 50 % betrug, lag die Differenz im Feld der Männer bei 75 %.

Leistungsverteilung im Frauen- und Männerfeld.

Betrachtet man schließlich die Gesamtzeiten zeigt sich, dass das Feld der Männer eine höhere Leistungsdichte aufwies. Die Abweichung vom Mittelwert war hier deutlich geringer als bei den Frauen, was bedeutet, dass die zeitliche Differenz vom ersten zum letzten Fahrer kleiner war.

Im folgendem interaktiven Plot erkennt man sehr schön die Zeitunterschiede in Bezug zur Platzierung. Die Leistungsdichte im Peloton der Männer war sehr hoch bzw. die Strecke wenig selektiv: es kommen viele große Gruppen ins Ziel:

Um bei den Männern das Rennen unter den Top50 zu beenden musste man eine relative Leistung von mehr als 4,5 W/kg auf die Pedale bringen (mit Ausnahme von wenigen Ausreisern). Der Großteil der Sportler (168) bringt mehr als 4 W/kg auf die Kurbel. Bei den Damen bringt die Hälfte der Fahrerinnen mehr als 3,6 W/kg auf die Kurbel.

Mit einer Korrelation von -0,83 beschreibt die relative Leistung im Bezug zur Zeit am besten das Rennergebnis. Bei den Frauen lag die Korrelation sogar bei -0,93. Das heißt 83 % des Ergebnisses, respektive 93 % bei den Frauen lässt sich mit der relativen Leistung erklären und nur 17 %, bzw. 7 % gehen auf andere Faktoren (Windschatten, Taktik, Streckenkenntnisse, Power-Ups,...) zurück. Dass man mit der gleichen relativen Leistung von 4 W/kg bei den Männern sowohl 48. aber auch 232. werden konnte, zeigt dennoch welch hohe Leistungsdichte im Feld herrschte.

Schaut man sich die Leistung im Vergleich zur Platzierung an, erkennt man zwar immer noch einen Trend, welcher aber nicht mehr so deutlich hervor tritt wie beim Vergleich zwischen relativer Leistung und der Platzierung.

Wie bereits zuvor vermutet bietet das Gewicht alleine auf diesem flachen Kurs keinerlei Vorraussagekraft über die spätere Platzierung im Rennen. Interessant wird diese Betrachtung wenn die Kurse in späteren Austragungen höhenmeterlastiger werden.

Sowohl das Männer, als auch das Frauenfeld hatten ein starkes sportliches Niveau. Doch welches Niveau muss man mitbringen um Chancen auf den Sieg zu haben? Dazu habe ich mir die Anthropologie und die Leistungsdaten der Top 10 nochmal genauer angeschaut.

Bei der Anthropologie zeigen sich wenig Unterschiede zum gesamten Feld. Die Top 10 ist minimal schwerer, größer und etwas jünger als der durchschnittliche Starter. Alle Werte liegen aber noch innerhalb der Standardabweichung.

Top10 Männer Gewicht Größe Alter
Mittelwert 71.5 183.0 26.7
Std. Abw. 7.4 8.1 3.7
Minimum 57.8 170.0 21.0
Median 73.6 185.5 26.0
Maximum 82.3 192.0 35.0

Anthropologie der Top10 der Männer

Bei der Leistungsfähigkeit sehen wir dann allerdings (erwartungsgemäß) deutliche Unterschiede zum Rest des Pelotons: die durchschnittliche Leistung lag fast 50 W höher als im Schnitt. Die relative Leistung liegt entsprechend höher bei 4,9 W/kg und die NP bei 360 W. Die berechnete VO2max (mit allen Limitationen) ist ebenfalls höher mit 67,5 ml/min/kg. Damit liegen alle Werte bis auf die HF, mehr als eine Standardabweichung vom Mittelwert entfernt.

Top10 Männer Leistung
[W]
HF
[S/min]
rel. Leistung
[W/kg]
NP
[W]
CP20
[W]
CP5
[W]
VO2max*
Mittelwert 347.7 175.9 4.9 359.9 361.2 399.8 67.5
Std. Abw. 35.8 9.3 0.2 34.9 35.3 42.4 2.5
Minimum 279.0 164.0 4.6 292.0 294.0 327.0 63.1
Median 352.0 173.5 4.8 364.5 367.5 400.5 67.3
Maximum 392.0 189.0 5.2 406.0 404.0 461.0 72.2

Leistungsfähigkeit der Top 10 der Männer

Nun zu den Frauen: auch hier gibt es in Bezug zur Anthropologie keine nennenswerten Differenzen zur Gesamtheit des Feldes.

Top10 Frauen Gewicht Größe Alter
Mittelwert 60.0 167.9 27.4
Std. Abw. 5.5 5.5 4.7
Minimum 54.0 158.0 21.0
Median 57.8 169.5 29.0
Maximum 68.0 173.0 33.0
Anthropologie der Top 10 der Frauen

Wie bereits bei den Männern unterscheiden sich die Top 10 der Frauen leistungstechnisch vom Rest des Feldes in der durchschnittlichen Leistung (+ 28 W), damit auch in der relativen Leistung (+ 0.6 W/kg), der NP (+ 29 W) und der VO2max (+ 8 ml/min/kg). Hier liegen die Werte der Top 10 ebenfalls etwa eine Standardabweichung höher als bei der Gesamtheit des Feldes.

Top10 Frauen Leistung
[W]
HF
[S/min]
rel. Leistung
[W/kg]
NP
[W]
CP20
[W]
CP5
[W]
VO2max*
Mittelwert 244.7 177.3 4.2 249.4 260.8 289.6 61.0
Std. Abw. 26.1 9.4 0.4 26.1 29.4 27.5 3.2
Minimum 214.0 163.0 3.9 218.0 221.0 252.0 57.1
Median 243.5 177.0 4.1 247.5 258.0 287.0 60.1
Maximum 298.0 195.0 5.1 303.0 316.0 333.0 68.0

Leistungsfähigkeit Top 10 der Frauen

Zusammenfassung

Die erste Runde der GCA Liga powered by Müller Logistik wurde von den deutschen Radsportlern sehr gut angenommen. Über 300 Fahrerinnen und Fahrer standen am Start und haben ein tolles virtuelles Rennen abgeliefert.

Die Leistungsfähigkeit des Feldes war der eines nationalen Rennens würdig und dennoch hat sich gezeigt, dass auch bei virtuellen Rennen nicht nur die Leistung an der Kurbel zählt, sondern es ebenso andere Faktoren wie beispielsweise Taktik, Windschatten, virtuelles Material, Streckenkenntnisse und Power-Ups hat, welche einen Einfluss auf das Resultat haben.

Viele andere Punkte müssen bei der Analyse allerdings auch als gegeben hingenommen werden. Die Ergebnisse sind natürlich stark davon abhängig, ob die Fahrer mit ihrem Gewicht ehrlich sind. Weiterhin spielen technische Details wie z.B. der generellen Genauigkeit des Powermeters/Smarttrainers eine Rolle. Die Genauigkeit wird bei den meisten Geräten in einer Range von +- 1,5 - 2 % angegeben. Bei 300 W durchschnittlicher Leistung können das maximale Differenzen von 12 W sein! Bei einem leichten Fahrer mit 65 kg oder weniger ist das bereits eine beachtliche Differenz. Weiterhin spielen aber auch ganz profane Dingen wie die Kalibrierung dieser Geräte in die Genauigkeit der Daten mit rein. Trotz aller Limitationen bieten die Daten eine einzigartige Möglichkeit eine gute Vorstellungen von den erbrachten Leistungen zu erhalten. Vergleichbare Daten kennen wir sonst nur aus dem Profi-Sport von z.B. velon, welche aber natürlich ihre Daten nicht in dieser Breite veröffentlichen.

Ich bin jedenfalls gespannt auf das nächste Rennen am kommenden Samstag (25.4.20), welches wieder - diesmal hoffentlich ohne technische Probleme - ab 16:30 Uhr auf YouTube gestreamt wird.

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