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Analyse: GCA Liga Runde 5

22 Mai 2020 | Radszene, Rennen, Rennrad

Runde 5

Am Samstag wurde auf ZWIFT das Finale der GCA Liga powered by Müller Logistik ausgefahren. Die GCA Liga ist quasi die virtuelle Bundesliga in Zeiten der Corona-Pandemie. Brot und Spiele für das Radsport-Volk!

Wie bereits bei den letzten Malen möchte ich die Verfügbarkeit der Daten nutzen um das Teilnehmerfeld und die Rennen zu analysieren. Die Analysen aus den vorherigen Runden können hier nachgelesen werden (Runde 1, Runde 2, Runde 3, Runde 4).

Dabei sollen v.a. folgende Fragen beantwortet werden:

ZWIFT

Mittlerweile dürfte eigentlich fast jeder Radsportler schonmal mit ZWIFT in Berührung gekommen sein bzw. zumindest wissen um was es ungefähr geht. Dennoch eine kurze Erklärung vorab:

ZWIFT ist eine Online-Plattform bei der man zusammen mit anderen in einer virtuellen Welt radfahren kann. Man koppelt dazu seinen Powermeter/Smarttrainer mit ZWIFT und schon kanns losgehen. Bei ZWIFT kommt es - ähnlich wie beim "richtigen" Radsport - nicht nur auf die reine Leistung an. Wenn es darum geht wie schnell man mit seinem virtuellen Rad unterwegs ist dreht sich bei ZWIFT alles um die relative Leistung, also das Verhältnis aus Leistung zum Körpergewicht des Fahrers.

Wie im realen Radsport kann man auch bei ZWIFT Windschatten fahren und damit wertvolle Körner sparen. Zusätzlich - und hier kommt dann die "Gamification" ins Spiel - gibt es aber auch verschiedene Power-Ups, mit denen man sich für kurze Zeit einen Vorteil verschaffen kann. Eines dieser Power-Ups ist beispielsweise der "Aero-Boost", welcher einen für eine kurze Zeit aerodynamischer macht. Eine vollständige Liste der Power-Ups mit Beschreibung findet man bei ZWIFTInsider. Taktik und das geschickte Nutzen der Power-Ups spielt also - neben der eigenen Leistungsfähigkeit - ebenfalls eine Rolle bei ZWIFT-Rennen.

Der Kurs

Letzte Woche war für die Sprinter, diese Woche war eher etwas für Roulleure. Das letzte Rennen der GCA Liga wurde auf dem UCI Worlds Kurs in Harrogate ausgetragen. Mit 13,8 km Länge und 240 Höhenmetern war der Kurs durchaus anspruchsvoll. Die Runde musste insgesamt drei Mal gefahren werden, so dass man auf 41 km mit 720 hm kam.

Harrogate

Das Starterfeld der GCA Bundesliga

Das letzte Rennen der Serie war auch das am - zahlenmäßig - schlechtesten besetzte. Lediglich 55 Frauen und nur 179 Männer erreichten das Ziel laut Ergebnisliste auf Zwiftpower. Damit man einen besseren Eindruck des Starterfeldes erhält habe ich die Daten bereinigt und z.B. Sportler ohne Größenangabe oder Alter aus der deskriptiven Statistik ausgeschlossen. Für die Anthropologie blieben diesmal 122 Männer und 48 Frauen übrig.

Der durchschnittliche männliche Starter in Runde fünf war - im Vergleich zu den letzten Rennen - etwas jünger und gerade mal 26,4 Jahre alt, wiegt etwas unter 70 kg und ist ca. 181 cm groß. Auch diesmal gab es wieder eine große Altersspanne von 14 bis 60 Jahren.

n = 122 Gewicht Größe
Mittelwert 69.4 181.6
Std. Abw. 7.9 6.7
Minimum 49.0 165.0
Median 70.0 183.0
Maximum 90.0 195.0

Anthropologische Daten des Männer-Starterfelds

Die durchschnittliche Starterin in der fünften Runde der GCA Bundesliga war - wie bereits bei den Männern - mit 26,7 Jahren etwas jünger als bei den vorigen Rennen, wiegt etwa 59 kg und ist ca. 169 cm groß.

n = 48 Gewicht Größe
Mittelwert 59.0 168.6
Std. Abw. 5.9 5.5
Minimum 48.0 157.0
Median 59.5 170.0
Maximum 72.0 181.0

Anthropologische Daten des Frauen-Starterfelds

Bei den Männern sieht man diesmal noch deutlicher ausgeprägt, dass die zweite "Spitze" die man sonst bei den ca. 30-Jährigen gesehen hat nun komplett verschwunden ist. Anscheinend hatten die "älteren" Sportler keine Lust mehr bei dem guten Wetter Samstags auf der Rolle zu fahren. Auch bei den Frauen sieht man einen größeren Anteil jüngerer Fahrerinnen in Runde 5.

Abgesehen von der etwas anderen Altersstruktur des Feldes war die Anthropologie des Teilnehmerfelds ähnlich zu den vorangegangenen Austragungen. In den letzten beiden Woche sahen wir allerdings eine deutlich unterschiedliche Leistungsfähigkeit (in der Spitze) des Teilnehmerfeldes. Also, welche Leistungsfähigkeit haben die Fahrerinnen und Fahrer diese Woche auf den Smarttrainer gebracht?

Die Leistungsfähigkeit der Teilnehmer

Der durchschnittliche männliche Sportler fuhr über die Renndauer von etwa einer Stunde im Schnitt mit 306 W. Die Normalized Power lag bei 317 W. Das entspricht einer durchschnittlichen relativen Leistung von 4,4 W/kg. Das Maximum lag bei knapp 400 W bzw. 5,4 W/kg im Durchschnitt. Die durchschnittliche Leistung über fünf Minuten betrug 367 W, mit einem Maximum von 467 W.

Die deutliche Differenz zwischen durchschnittlicher Leistung und Normalized Power lässt darauf schließen, dass das Rennen nicht sehr gleichmäßig von den Fahrern gepaced wurde. Das Streckenprofil begünstigt eine solche Fahrweise natürlich zusätzlich.

Die durchschnittliche, berechnete VO2max der Männer war diesmal höher als bei den letzten Rennen und beträgt 64,3 ml/min/kg. Die VO2max wurde auch diesmal berechnet anhand der Formel des American College of Sports Medicine und der maximalen Leistung über fünf Minuten. Spitzenwerte lagen diesmal bei knapp 75 ml/min/kg. Wobei man die VO2max-Werte mit Vorsicht genießen muss. Die Formel des ACSM kann die VO2max gut annähern, wenn ein All-Out-Test über fünf Minuten vorliegt. Bei ZWIFT-Rennen wird in der Regel sehr hart gestartet, was für einige Sportler bereits "All-Out" bedeutet. Andere wiederrum pacen sich mehr und gehen nicht bzw. müssen evtl. auch nicht an ihr Maximum gehen. Die berechneten VO2max-Werte sind daher vermutlich etwas niedriger als die reale Ausprägung - dennoch geben die berechneten Werte eine Größenordnung an und helfen die Leistungsfähigkeit der Fahrer einschätzen zu können.

n = 168 Leistung
[W]
HF
[S/min]
rel. Leistung
[W/kg]
NP
[W]
CP20
[W]
CP5
[W]
VO2max*
Mittelwert 305.9 173.5 4.4 317.1 326.8 367.4 64.3
Std. Abw. 42.4 9.6 0.6 43.3 42.3 43.3 5.6
Minimum 190.0 143.0 2.8 193.0 216.0 231.0 42.7
Median 310.5 174.0 4.5 321.5 330.0 373.0 65.0
Maximum 399.0 197.0 5.4 410.0 420.0 467.0 76.9

Leistungswerte der Männer (* da für eine korrekte Berechnung ein All-Out-Wert benötigt wird, sind die hier angegebenen individuellen Werte vermutlich etwas niedriger als man sie im Labor messen würde)

Die durchschnittliche Sportlerin fuhr über die Renndauer von etwas mehr als einer Stunde im Schnitt 223 W bzw. erreichte eine Normalized Power von 229 W. Das entspricht einer durchschnittlichen relativen Leistung von 3,8 W/kg. Bei den Frauen war die Differenz zwischen durchschnittlicher Leistung und Normalized Power geringer als bei den Herren, was zeigt, dass das Rennen gleichmäßiger gefahren wurde als bei den Männern. Die durchschnittliche Leistung über fünf Minuten betrug 264 W. Die durchschnittliche, berechnete VO2max der Frauen beträgt 55,4 ml/min/kg. Die VO2max ist hier ebenfalls anhand der Formel des American College of Sports Medicine und der maximalen Leistung über fünf Minuten berechnet. Spitzenwerte lagen diesmal bei knapp unter 70 ml/min/kg. Hier gelten natürlich die gleichen Limitationen wie bei den Männern.

n = 54 Leistung
[W]
HF
[S/min]
rel. Leistung
[W/kg]
NP
[W]
CP20
[W]
CP5
[W]
VO2max*
Mittelwert 223.6 175.3 3.8 229.1 238.1 264.8 55.4
Std. Abw. 29.8 9.0 0.5 30.4 29.7 30.5 5.4
Minimum 165.0 158.0 2.8 167.0 180.0 192.0 43.2
Median 220.5 175.0 3.8 225.5 239.0 269.0 56.3
Maximum 294.0 195.0 5.0 297.0 303.0 339.0 69.1

Leistungswerte der Frauen (* da für eine korrekte Berechnung ein All-Out-Wert benötigt wird, sind die hier angegebenen individuellen Werte vermutlich etwas niedriger als man sie im Labor messen würde)

Sowohl das Frauen-, als auch das Männerfeld waren in Runde fünf etwa gleich homogen wenn man die relative Leistung betrachtet. Bei den Männern war die Kurve lediglich etwas nach rechts verschoben.

Wie bereits bei den vorigen Rennen zeigt sich bei der absoluten Leistung, dass die Frauen in dieser Beziehung ein homogeneres Feld sind als die Männer. Anders als im letzten Rennen war der Unterschied zwischen Männer- und Frauenfeld aber weniger stark ausgeprägt.

Leistungsverteilung im Frauen- und Männerfeld.

Deutlich unterschiedlich ist dieses mal die Betrachtung des Zeit-Histogramms. Die Männer waren insgesamt (nicht überraschend) schneller als die Frauen, aber deutlich homogener was die absolute Zeit betrifft. Beim letzten Rennen kamen sowohl Männer als auch Frauen im Prinzip in drei großen Gruppen ins Ziel. Diesmal waren die Fahrer wieder etwas weiter verteilt, wobei die Männer hier das homogenere Feld abgeben und in dichteren Abständen bzw. größeren Gruppen ins Ziel kamen als die Frauen.

Besonders schön erkannt man das auch wieder in dieser interaktiven Grafik:

Um das Rennen im Männerfeld unter den Top50 zu beenden musste man wie bereits in den letzten Rennen etwa 4,8 W/kg auf die Pedale bringen. Bei den Damen reichten dazu etwas mehr als 3,5 W/kg. Vergleicht man den folgenden Plot mit dem aus dem letzten Rennen, sieht man hier nochmal schön, dass die relative Leistung auf einem flachen Kurs einen geringeren Einfluss hat als am Berg.

Schaut man sich auch nochmal das Gewicht im Verhältnis zur Platzierung an, erkennt man dass das Gewicht alleine in ZWIFT-Rennen keine große Rolle spielt.

Sowohl das Männer, als auch das Frauenfeld boten wieder ein starkes sportliches Niveau. Doch welches Niveau musste man diesmal mitbringen um Chancen auf den Sieg zu haben? Dazu habe ich mir die Anthropologie und die Leistungsdaten der Top 10 nochmal genauer angeschaut.

Bei der Anthropologie zeigen sich diesmal - abgesehen vom Alter - keine Unterschiede zum Rest des Feldes. Die Sportler aus den Top10 waren jedoch im Schnitt fast vier Jahre jünger als der Schnitt des gesamten Feldes.

Top10 Männer Gewicht Größe Alter
Mittelwert 69.1 182.9
Std. Abw. 5.4 7.7
Minimum 60.0 168.0
Median 71.0 184.5
Maximum 76.0 193.0

Anthropologie der Top10 der Männer

Bei der Leistungsfähigkeit zeigen sich dann erwartungsgemäßt wieder sehr deutliche Unterschiede: die durchschnittliche Leistung lag ca. 45 W höher als im Schnitt. Die relative Leistung liegt entsprechend bei über 5 W/kg und die NP bei fast 370 W. Damit liegen die Werte der Top10 zwar höher als die durchschnittlichen Werte, aber kommen dennoch nicht an die Werte des Rennens auf den Alpe du Zwift ran, wo die durchschnittliche relative Leistung bei 5,6 W/kg lag.

Top10 Männer Leistung
[W]
HF
[S/min]
rel. Leistung
[W/kg]
NP
[W]
CP20
[W]
CP5
[W]
VO2max*
Mittelwert 353.2 176.5 5.1 368.6 367.8 403.6 70.0
Std. Abw. 31.3 9.1 0.2 30.2 33.3 40.8 3.0
Minimum 317.0 157.0 4.6 331.0 330.0 356.0 65.3
Median 344.0 178.5 5.2 367.0 362.5 395.5 69.5
Maximum 399.0 188.0 5.4 407.0 420.0 467.0 75.1

Leistungsfähigkeit der Top 10 der Männer

Nun zu den Frauen: anders als bei den Männern gab es bei der Anthropologie der Top10 keine nennenswerten Unterschiede zum Rest der Teilnehmerinnen. Die durchschnittlichen anthropologischen Daten der Top10 entsprechen in etwa der des gesamten Feldes.

Top10 Frauen Gewicht Größe Alter
Mittelwert 57.6 167.4
Std. Abw. 5.7 7.2
Minimum 49.8 158.0
Median 55.2 168.5
Maximum 67.0 179.0

Anthropologie der Top 10 der Frauen

Wie bereits bei den Männern unterscheiden sich die Top 10 der Frauen leistungstechnisch vom Rest des Feldes in der durchschnittlichen Leistung (+ 30 W), damit auch in der relativen Leistung (+ 0,6 W/kg), der NP (+ 30 W) und der VO2max (+ 5 ml/min/kg).

Top10 Frauen Leistung
[W]
HF
[S/min]
rel. Leistung
[W/kg]
NP
[W]
CP20
[W]
CP5
[W]
VO2max*
Mittelwert 252.0 177.3 4.4 259.0 264.6 285.2 60.7
Std. Abw. 17.7 9.0 0.3 20.1 19.8 25.6 4.0
Minimum 232.0 160.0 4.0 237.0 242.0 255.0 56.4
Median 246.5 178.0 4.4 252.0 257.0 276.5 59.9
Maximum 286.0 189.0 5.0 295.0 303.0 339.0 69.1

Leistungsfähigkeit Top 10 der Frauen

Zusammenfassung

Beim fünften Rennen der GCA Liga waren von allen Austragungen die wenigsten Teilnehmer am Start - ob das an den Lockerungen der Corona-Beschränkungen und dem guten Wetter lag oder ob schlicht das Interesse nachlässt, lässt sich natürlich hier nicht beantworten. Für viele Sportler war die GCA Liga ein willkommener Ersatz für die ausgefallenen Rennen. Aus sportwissenschaftlicher Sicht sind die öffentlich einsehbaren Daten natürlich sowas wie eine Goldgrube und ermöglichen es spannende Einblicke in die Leistungsfähigkeit von vielen Sportlern gleichzeitig zu kriegen.

Anzahl Finisher nach Ergebnisliste von Zwiftpower

Wie immer müssen viele Punkte als gegeben hingenommen werden. Die Ergebnisse sind natürlich stark davon abhängig, ob die Fahrer mit ihrem Gewicht ehrlich sind. Weiterhin spielen technische Details wie z.B. der generellen Genauigkeit des Powermeters/Smarttrainers eine Rolle. Die Genauigkeit wird bei den meisten Geräten in einer Range von +- 1,5 - 2 % angegeben. Bei 300 W durchschnittlicher Leistung können das maximale Differenzen von 12 W sein! Bei einem leichten Fahrer mit 65 kg oder weniger ist das bereits eine beachtliche Differenz. Weiterhin spielen aber auch ganz profane Dingen wie die Kalibrierung dieser Geräte in die Genauigkeit der Daten mit rein. Trotz aller Limitationen bieten die Daten eine einzigartige Möglichkeit eine gute Vorstellungen von den erbrachten Leistungen zu erhalten. Vergleichbare Daten kennen wir sonst nur aus dem Profi-Sport von z.B. velon, welche aber natürlich ihre Daten nicht in dieser Breite veröffentlichen.

Mit dem fünften Rennen ging auch die GCA Liga zu Ende. Bei den Männern konnte sich Lucas Carstensen vom Team Bike Aid den Gesamtsieg vor Benedikt Helbig vom Team Embrace The World und Simon Schmitt vom Team Sportforum sichern.

Bei den Damen gewann Romy Kasper vom rad-net ROSE Team vor Tanja Erath von CANYON//SRAM und Kerstin Pöhl vom Team BELLE Stahlbau Women.

Ich fand es sehr spannend die Rennen zu verfolgen und einen genaueren Blick in die Daten zu werfen. Trotzdem hoffe ich, dass wir dieses Jahr vielleicht noch in den Genuss "echten Radsports" kommen werden. Gleichzeitig sehe ich aber auch die Möglichkeit eine virtuelle Serie von vier bis fünf Rennen im Winter zu etablieren. Wir dürfen gespannt sein ob der BDR nach diesem gelungenen "Experiment" den virtuellen Radsport weiter fördern wird. Genügend motivierte Fahrerinnen und Fahrer scheint es jedenfalls zu geben.

Analyse Bundesliga eCycling Rennen Rennrad