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Analyse: GCA Liga Runde 4

13 Mai 2020 | Radszene, Rennen, Rennrad

Runde 4

Am Samstag wurde auf ZWIFT bereits die vierte Runde der GCA Liga powered by Müller Logistik. Die GCA Liga ist quasi die virtuelle Bundesliga in Zeiten der Corona-Pandemie. Brot und Spiele für das Radsport-Volk! Nach der Bergankunft am Alpe du Zwift letzte Woche, war dieses Mal wieder ein flacher Kurs an der Reihe.

Wie bereits bei den letzten Malen möchte ich die Verfügbarkeit der Daten nutzen um das Teilnehmerfeld und die Rennen zu analysieren. Die Analysen aus den vorherigen Runden können hier nachgelesen werden (Runde 1, Runde 2, Runde 3).

Dabei sollen v.a. folgende Fragen beantwortet werden:

ZWIFT

Mittlerweile dürfte eigentlich fast jeder Radsportler schonmal mit ZWIFT in Berührung gekommen sein bzw. zumindest wissen um was es ungefähr geht. Dennoch eine kurze Erklärung vorab:

ZWIFT ist eine Online-Plattform bei der man zusammen mit anderen in einer virtuellen Welt radfahren kann. Man koppelt dazu seinen Powermeter/Smarttrainer mit ZWIFT und schon kanns losgehen. Bei ZWIFT kommt es - ähnlich wie beim "richtigen" Radsport - nicht nur auf die reine Leistung an. Wenn es darum geht wie schnell man mit seinem virtuellen Rad unterwegs ist dreht sich bei ZWIFT alles um die relative Leistung, also das Verhältnis aus Leistung zum Körpergewicht des Fahrers.

Wie im realen Radsport kann man auch bei ZWIFT Windschatten fahren und damit wertvolle Körner sparen. Zusätzlich - und hier kommt dann die "Gamification" ins Spiel - gibt es aber auch verschiedene Power-Ups, mit denen man sich für kurze Zeit einen Vorteil verschaffen kann. Eines dieser Power-Ups ist beispielsweise der "Aero-Boost", welcher einen für eine kurze Zeit aerodynamischer macht. Eine vollständige Liste der Power-Ups mit Beschreibung findet man bei ZWIFTInsider. Taktik und das geschickte Nutzen der Power-Ups spielt also - neben der eigenen Leistungsfähigkeit - ebenfalls eine Rolle bei ZWIFT-Rennen.

Der Kurs

Nachdem die Fahrer im letzten Rennen eine Bergankunft am Alpe du Zwift hatten, war diese Woche wieder eine Ausgabe für die Sprinter fällig. Das vierte Rennen der GCA Liga wurde auf dem Kurs "Tick Tock" auf Watopia ausgetragen.

Ticktock

Tick Tock hat eine Länge von 16,9 km auf denen lediglich 45 hm überwunden werden müssen. Das Rennen der GCA Liga ging über drei Runden auf dem Kurs und damit 53 km mit knapp 150 hm. Wie gemacht also für eine Sprintentscheidung.

Das Starterfeld der GCA Bundesliga

Insgesamt standen in dieser Ausgabe etwas weniger Fahrerinnen und Fahrer am Start als bei den bisherigen Rennen. Dennoch reihten sich über 300 Rennfahrer an der virtuellen Startlinie auf. 205 Männer und 62 Frauen haben laut Ergebnisliste auf Zwiftpower das Ziel erreicht. Damit man einen besseren Eindruck des Starterfeldes erhält habe ich die Daten bereinigt und z.B. Sportler ohne Größenangabe oder Alter aus der deskriptiven Statistik ausgeschlossen. Damit blieben für die Anthropologie 147 Männer und 48 Frauen übrig.

Der durchschnittliche männliche Starter in Runde vier war 27 Jahre alt, wiegt ca. 70 kg und ist etwa 181 cm groß. Auch diesmal gab es wieder eine große Altersspanne von 12 bis 60 Jahren. Damit war die Altersdifferenz diesmal sogar noch größer als beim letzten Mal!

n = 147 Gewicht Größe Alter
Mittelwert 70.1 181.6 27.1
Std. Abw. 8.1 6.9 9.1
Minimum 44.0 155.0 12.0
Median 70.0 183.0 25.0
Maxium 90.0 198.0 60.0

Anthropologische Daten des Männer-Starterfelds

Die durchschnittliche Starterin in der vierten Runde der GCA Bundesliga war - wie bei den Männern - 27 Jahre alt, wiegt etwa 59 kg und ist ca. 169 cm groß.

n = 48 Gewicht Größe Alter
Mittelwert 58.8 168.2 27.0
Std. Abw. 5.5 5.3 7.6
Minimum 48.0 157.0 15.0
Median 58.5 168.5 26.0
Maximum 72.0 181.0 47.0

Anthropologische Daten des Frauen-Starterfelds

Bei den Männern sieht man deutlich, dass die zweite "Spitze" die man sonst bei den ca. 30-Jährigen gesehen hat diesmal nicht vorhanden ist. Der Anteil an Sportlern um die 20 Jahre war diesmal größer als bei den letzten Rennen. Bei den Frauen sehen wir ein ähnliches Bild wie bereits in den Rennen zuvor.

Beim Gewicht kann man keinen großen Unterschied zu den letzten Ausgaben feststellen, weswegen ich hier auch nicht näher darauf eingehen möchte.

Auch in der vierten Runde der GCA Liga war die Anthropologie des Teilnehmerfelds ähnlich wie bereits in den vorangegangenen Austragungen. Letzte Woche sahen wir jedoch eine deutlich andere Leistungsfähigkeit (in der Spitze) des Teilnehmerfeldes. Also, welche Leistungsfähigkeit haben die Fahrerinnen und Fahrer diese Woche auf den Smarttrainer gebracht?

Die Leistungsfähigkeit der Teilnehmer

Der durchschnittliche männliche Sportler fuhr über die Renndauer von etwa einer Stunde im Schnitt mit 298 W. Die Normalized Power lag bei 306 W. Das entspricht einer durchschnittlichen relativen Leistung von 4,3 W/kg. Das Maximum lag bei knapp 384 W bzw. 5,2 W/kg im Durchschnitt - bisher der niedrigste Wert in der Rennserie. Die durchschnittliche Leistung über fünf Minuten betrug 356 W, mit einem Maximum von 499 W.

Vergleicht man die Leistung mit den Leistungen aus den vorherigen Runden, dann fallen keine großen Unterschiede auf. In Runde vier war die Differenz zwischen durchschnittlicher Leistung und Normalized Power wieder etwas größer, was für einen taktischeren Rennverlauf spricht.

Die durchschnittliche, berechnete VO2max der Männer beträgt genau wie beim letzten Mal 61,9 ml/min/kg. Die VO2max wurde auch diesmal berechnet anhand der Formel des American College of Sports Medicine und der maximalen Leistung über fünf Minuten. Spitzenwerte lagen diesmal bei knapp 75 ml/min/kg. Wobei man die VO2max-Werte mit Vorsicht genießen muss. Die Formel des ACSM kann die VO2max gut annähern, wenn ein All-Out-Test über fünf Minuten vorliegt. Bei ZWIFT-Rennen wird in der Regel sehr hart gestartet, was für einige Sportler bereits "All-Out" bedeutet. Andere wiederrum pacen sich mehr und gehen nicht bzw. müssen evtl. auch nicht an ihr Maximum gehen. Die berechneten VO2max-Werte sind daher vermutlich etwas niedriger als die reale Ausprägung - dennoch geben die berechneten Werte eine Größenordnung an und helfen die Leistungsfähigkeit der Fahrer einschätzen zu können.

n = 194 Leistung
[W]
HF
[S/min]
rel. Leistung
[W/kg]
NP
[W]
CP20
[W]
CP5
[W]
VO2max*
Mittelwert 298.7 171.2 4.3 306.3 319.5 356.2 61.9
Std. Abw. 41.3 10.2 0.5 41.1 41.1 43.2 5.3
Minimum 145.0 136.0 2.7 157.0 155.0 194.0 39.3
Median 300.0 172.0 4.3 307.5 326.0 358.5 62.6
Maximum 384.0 198.0 5.2 410.0 402.0 499.0 74.7

Leistungswerte der Männer (* da für eine korrekte Berechnung ein All-Out-Wert benötigt wird, sind die hier angegebenen individuellen Werte vermutlich etwas niedriger als man sie im Labor messen würde)

Die durchschnittliche Sportlerin fuhr über die Renndauer von etwas mehr als einer Stunde im Schnitt 211 W bzw. erreichte eine Normalized Power von 215 W. Das entspricht einer durchschnittlichen relativen Leistung von 3,6 W/kg. Bei den Frauen war die Differenz zwischen durchschnittlicher Leistung und Normalized Power sehr gering, was zeigt, dass im Rennen eine konstant hohe Belastung ohne viele Leistungsspitzen herrschte. Die durchschnittliche Leistung über fünf Minuten betrug 251,8 W. Die durchschnittliche, berechnete VO2max der Frauen beträgt 53,2 ml/min/kg. Die VO2max ist hier ebenfalls anhand der Formel des American College of Sports Medicine und der maximalen Leistung über fünf Minuten berechnet. Spitzenwerte lagen bei unglaublichen 72,9 ml/min/kg. Das ist wirklich absolute weltklasse - auch wenn hier natürlich die gleichen Limitationen gelten wie bei den Männern.

n = 61 Leistung
[W]
HF
[S/min]
rel. Leistung
[W/kg]
NP
[W]
CP20
[W]
CP5
[W]
VO2max*
Mittelwert 210.9 174.2 3.6 215.6 227.3 251.8 53.2
Std. Abw. 29.4 9.5 0.5 29.7 30.3 30.5 5.4
Minimum 151.0 152.0 2.7 153.0 167.0 184.0 40.5
Median 206.0 173.0 3.5 212.0 229.0 252.0 54.1
Maximum 280.0 197.0 4.7 283.0 312.0 360.0 72.9

Leistungswerte der Frauen (* da für eine korrekte Berechnung ein All-Out-Wert benötigt wird, sind die hier angegebenen individuellen Werte vermutlich etwas niedriger als man sie im Labor messen würde)

Die relative Leistung im Rennen war auch dieses Mal annähernd normalverteilt, mit einem flacheren Verlauf in der Spitze bei den Männern. Das Feld der Frauen war im Bezug auf die relative Leistung etwas homogener als das der Männer.

Wie bereits bei den vorigen Rennen zeigt sich bei der absoluten Leistung, dass die Frauen in dieser Beziehung ein homogeneres Feld sind als die Männer. Diesmal wurde dieser Unterschied nochmals deutlich klarer als in den Austragungen zuvor.

Leistungsverteilung im Frauen- und Männerfeld.

Deutlich unterschiedlich ist dieses mal die Betrachtung des Zeit-Histogramms. Die Männer waren insgesamt (nicht überraschend) schneller als die Frauen, aber deutlich homogener was die absolute Zeit betrifft. Sowohl Männer als auch Frauen kamen im wesentlichen in drei großen Gruppen ins Ziel - mit dem Unterschied, dass die Gruppen der Frauen größere Abstände untereinander aufwiesen.

Besonders schön kann man diese Tatsache auch in dieser interaktiven Grafik sehen:

Um das Rennen im Männerfeld unter den Top50 zu beenden musste man wie bereits in den letzten Rennen etwa 4,8 W/kg auf die Pedale bringen. Bei den Damen reichten dazu etwas mehr als 3 W/kg. Vergleicht man den folgenden Plot mit dem aus dem letzten Rennen, sieht man hier nochmal schön, dass die relative Leistung auf einem flachen Kurs einen geringeren Einfluss hat als am Berg.

Schaut man sich auch nochmal das Gewicht im Verhältnis zur Platzierung an, erkennt man - wie bereits im ebenfalls flachen ersten Rennen der GCA Liga - dass das Gewicht in flachen ZWIFT-Rennen keine große Rolle spielt. Auch hier erkennt man nochmal sehr schön die drei großen Gruppen im Frauen- und Männerrennen.

Sowohl das Männer, als auch das Frauenfeld boten wieder ein starkes sportliches Niveau. Doch welches Niveau musste man diesmal mitbringen um Chancen auf den Sieg zu haben? Dazu habe ich mir die Anthropologie und die Leistungsdaten der Top 10 nochmal genauer angeschaut.

Bei der Anthropologie zeigen sich diesmal deutlichere Unterschiede zum gesamten Feld. Die Top 10 war im Schnitt etwa 2 kg schwerer und jünger als der durchschnittliche Starter.

Top10 Männer Gewicht Größe Alter
Mittelwert 73.1 181.7 24.9
Std. Abw. 5.6 7.3 4.2
Minimum 61.0 168.0 21.0
Median 73.0 181.5 24.0
Maximum 80.0 191.0 34.0

Anthropologie der Top10 der Männer

Auch bei der Leistungsfähigkeit zeigen sich sehr deutliche Unterschiede: die durchschnittliche Leistung lag ca. 45 W höher als im Schnitt. Die relative Leistung liegt entsprechend bei 4,7 W/kg und die NP bei 353 W. Damit liegen die Werte der Top10 zwar höher als die durchschnittlichen Werte, aber deutlich niedriger als im letzten Rennen, wo die durchschnittliche relative Leistung bei 5,6 W/kg lag.

Top10 Männer Leistung
[W]
HF
[S/min]
rel. Leistung
[W/kg]
NP
[W]
CP20
[W]
CP5
[W]
VO2max*
Mittelwert 344.5 171.3 4.7 353.0 357.1 403.8 66.6
Std. Abw. 17.8 8.4 0.2 18.9 21.2 25.3 1.9
Minimum 309.0 163.0 4.4 315.0 315.0 354.0 62.4
Median 349.0 168.0 4.7 357.0 360.5 405.5 66.8
Maximum 368.0 188.0 5.1 378.0 383.0 436.0 69.7

Leistungsfähigkeit der Top 10 der Männer

Nun zu den Frauen: anders als bei den Männern gab es bei der Anthropologie der Top10 keine nennenswerten Unterschiede zum Rest der Teilnehmerinnen. Die durchschnittlichen anthropologischen Daten der Top10 entsprechen in etwa der des gesamten Feldes.

Top10 Frauen Gewicht Größe Alter
Mittelwert 58.1 166.5 27.2
Std. Abw. 5.5 6.0 4.8
Minimum 50.2 158.0 21.0
Median 57.2 168.0 27.5
Maximum 66.4 173.0 33.0

Anthropologie der Top 10 der Frauen

Wie bereits bei den Männern unterscheiden sich die Top 10 der Frauen leistungstechnisch vom Rest des Feldes in der durchschnittlichen Leistung (+ 30 W), damit auch in der relativen Leistung (+ 0,6 W/kg), der NP (+ 35 W) und der VO2max (+ 6 ml/min/kg). Bemerkenswert auch hier nochmal, dass die berechnete VO2max der Frauen-Top10 nur 5ml/min/kg unter dem durchschnitt der Männer lag und die maximale VO2max sogar nur 1,8 ml/min/kg weniger als bei den Männern.

Top10 Frauen Leistung
[W]
HF
[S/min]
rel. Leistung
[W/kg]
NP
[W]
CP20
[W]
CP5
[W]
VO2max*
Mittelwert 243.7 171.7 4.2 249.3 258.9 279.4 59.0
Std. Abw. 18.0 7.9 0.3 20.3 25.3 34.0 5.4
Minimum 220.0 159.0 4.0 225.0 230.0 251.0 54.8
Median 238.0 172.0 4.1 243.0 253.0 272.0 56.7
Maximum 269.0 185.0 4.7 283.0 312.0 360.0 72.9

Leistungsfähigkeit Top 10 der Frauen

Zusammenfassung

Beim vierten Rennen der GCA Liga waren bisher die wenigsten Teilnehmer am Start - ob das an den Lockerungen der Corona-Beschränkungen und dem guten Wetter lag oder ob schlicht das Interesse nachlässt, lässt sich natürlich hier nicht beantworten. Dennoch standen über 300 Teilnehmer am Start, womit man durchaus behaupten kann, dass die GCA Liga weiterhin positiv angenommen wird.

Anzahl Finisher nach Ergebnisliste von Zwiftpower

Die durchschnittliche Leistungsfähigkeit des Feldes unterschied sich nicht wesentlich von der Leistungsfähigkeit der ersten drei Runden. Die vierte Runde war in der Spitze jedoch leistungstechnisch schlechter als in der dritten Runde. Das mag am Streckenprofil und damit am Rennverlauf gelegen haben, aber auch z.B. am Teilnehmerfeld. Der Sieger des letzten Rennens, Jason Osborne, war diesmal leider nicht mehr am Start.

Wie immer müssen viele Punkte als gegeben hingenommen werden. Die Ergebnisse sind natürlich stark davon abhängig, ob die Fahrer mit ihrem Gewicht ehrlich sind. Weiterhin spielen technische Details wie z.B. der generellen Genauigkeit des Powermeters/Smarttrainers eine Rolle. Die Genauigkeit wird bei den meisten Geräten in einer Range von +- 1,5 - 2 % angegeben. Bei 300 W durchschnittlicher Leistung können das maximale Differenzen von 12 W sein! Bei einem leichten Fahrer mit 65 kg oder weniger ist das bereits eine beachtliche Differenz. Weiterhin spielen aber auch ganz profane Dingen wie die Kalibrierung dieser Geräte in die Genauigkeit der Daten mit rein. Trotz aller Limitationen bieten die Daten eine einzigartige Möglichkeit eine gute Vorstellungen von den erbrachten Leistungen zu erhalten. Vergleichbare Daten kennen wir sonst nur aus dem Profi-Sport von z.B. velon, welche aber natürlich ihre Daten nicht in dieser Breite veröffentlichen.

Das fünfte und letzte Rennen findet am kommenden Samstag, dem 13.5.20 statt und wird ab 16:30 Uhr wieder auf YouTube gestreamt und von Bastian Marks und Rick Zabel kommentiert.

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