Analyse: GCA Liga Runde 2

Die Leistungsfähigkeit der Teilnehmer

Der durchschnittliche männliche Sportler fuhr über die Renndauer von etwa einer Stunde im Schnitt mit 299 W bzw. einer Normalized Power von 313 W. Das entspricht einer durchschnittlichen relativen Leistung von 4,3 W/kg. Das Maximum lag bei knapp 370 W bzw. 5,3 W/kg im Durchschnitt. Die durchschnittliche Leistung über fünf Minuten betrug 362 W, mit einem Maximum von 449 W.

Vergleicht man die Leistung mit der aus der ersten Runde fallen keine großen Unterschiede auf. Lediglich eine größere Differenz zwischen durchschnittlicher Leistung und NP ist auffällig, was dafür spricht, dass das Rennen taktischer war bzw. nicht die ganze Zeit am Limit gefahren wurde, sondern zwischendurch harte Attacken gefahren wurden.

Die durchschnittliche, berechnete VO2max der Männer beträgt 62,8 ml/min/kg. Die VO2max wurde auch diesmal berechnet anhand der Formel des American College of Sports Medicine und der maximalen Leistung über fünf Minuten. Spitzenwerte lagen diesmal bei über 75 ml/min/kg. Wobei man die VO2max-Werte mit Vorsicht genießen muss. Die Formel des ACSM kann die VO2max gut annähern, wenn ein All-Out-Test über fünf Minuten vorliegt. Bei ZWIFT-Rennen wird in der Regel sehr hart gestartet, was für einige Sportler bereits “All-Out” bedeutet. Andere wiederrum pacen sich mehr und gehen nicht bzw. müssen evtl. auch nicht an ihr Maximum gehen. Die berechneten VO2max-Werte sind daher vermutlich etwas niedriger als die reale Ausprägung – dennoch geben die berechneten Werte eine Größenordnung an und helfen die Leistungsfähigkeit der Fahrer einschätzen zu können.


n = 219
Leistung
[W]
HF
[S/min]
rel. Leistung
[W/kg]
NP
[W]
CP20
[W]
CP5
[W]
VO2max*
[ml/min/kg]
Mittelwert299.81734.331332236262.8
Std.Abweichung37.89.70.539.938.842.35.6
Minimum1881342.919820821943.2
Median3041724.331632636863.2
Maximum3681995.340540544975.2
Leistungswerte der Männer

(* da für eine korrekte Berechnung ein All-Out-Wert benötigt wird, sind die hier angegebenen individuellen Werte vermutlich etwas niedriger als man sie im Labor messen würde)

Die durchschnittliche Sportlerin fuhr über die Renndauer von etwas mehr als einer Stunde im Schnitt 211 W bzw. erreichte eine Normalized Power von 217 W. Das entspricht einer durchschnittlichen relativen Leistung von 3,5 W/kg. Die durchschnittliche Leistung über fünf Minuten betrug 249 W, mit Maximalwerten von etwa 317 W.
Die durchschnittliche, berechnete VO2max der Frauen beträgt 55,0 ml/min/kg. Die VO2max ist hier ebenfalls anhand der Formel des American College of Sports Medicine und der maximalen Leistung über fünf Minuten berechnet. Spitzenwerte lagen bei 65 ml/min/kg. Auch hier gelten natürlich die gleichen Limitierungen wie bei den Männern.
Interessant zu sehen hier, dass im Damenrennen ein höheres Tempo angeschlagen wurde und es weniger Leistungsspitzen gab als im Herrenrennen. Zudem lag die maximale relative Leistung dieses Mal “nur” bei 4,5 W/kg und damit nur knapp über dem Durchschnitt im Herrenrennen.


n = 55
Leistung
[W]
HF
[S/min]
rel. Leistung
[W/kg]
NP
[W]
CP20
[W]
CP5
[W]
VO2max*
[ml/min/kg]
Mittelwert211.11773.521722524952.1
Std.Abweichung28.49.70.529.529.831.35.9
Minimum1521552.515716518639.2
Median2081763.521222224451.1
Maximum2782004.528029331765.1
Leistungswerte der Frauen

(* da für eine korrekte Berechnung ein All-Out-Wert benötigt wird, sind die hier angegebenen individuellen Werte vermutlich etwas niedriger als man sie im Labor messen würde)

Die relative Leistung im Rennen war auch dieses Mal annähernd normalverteilt, mit leichter Rechtsverschiebung bei den Frauen und einem flacheren Verlauf im linken Kurvenbereich bei den Männern. Das Feld der Männer war im Bezug auf die relative Leistung etwas homogener als das der Frauen.

Schaut man sich hingegen die absolute Leistung an, ist noch deutlicher als beim letzten Mal erkennbar, dass das Peloton der Frauen homogener war (höhere Spitze der Kurve vs. flacherer Verlauf) als das Feld der Männer. Die Differenz ist erklärbar durch die größere Standardabweichung beim Gewicht der Männer. Während bei den Frauen die Differenz der leichtesten zur schwersten Fahrerin nur ca. 33 % betrug, lag die Differenz im Feld der Männer bei 48 %.

Leistungsverteilung im Frauen- und Männerfeld.

Betrachtet man schließlich die Gesamtzeiten zeigt sich, dass das Feld der Männer eine höhere Leistungsdichte aufwies. Das Gros des Männerfeldes kam mit einer Zeit von knapp unter einer Stunde ins Ziel. Danach kamen nur noch kleinere Gruppen an. Bei den Frauen hingegen zeigt der erste große Balken, dass es eine deutliche Leistungsdifferenz zwischen der Spitze des Rennens und dem Rest des Feldes gab.

Im folgendem interaktiven Plot erkennt man sehr schön die Zeitunterschiede in Bezug zur Platzierung. Die Leistungsdichte im Peloton der Männer war sehr hoch. Auch wenn die Strecke am Leg Snapper diesmal selektiver war als in Runde 1, kommen die meisten Fahrer dennoch im Prinzip in zwei großen Gruppen ins Ziel:

my plot

Ähnlich wie in Runde eins benötigte man auch diesmal etwa 4,5 W/kg um bei den Männern das Rennen unter den Top50 zu beenden. Der Großteil der Sportler bringt wieder mehr als 4 W/kg auf die Kurbel. Bei den Damen bringt die Hälfte der Fahrerinnen mehr als 3,5
W/kg auf die Kurbel.

my plot

Den größten Einfluss auf die Zeit hatte auch diesmal die relative Leistung mit -0,81 bei den Männern und -0,89 bei den Frauen. Das heißt 81 % des Ergebnisses, respektive 89 % bei den Frauen lässt sich mit der relativen Leistung erklären und nur 19 %, bzw. 11 % gehen auf andere Faktoren (Windschatten, Taktik, Streckenkenntnisse, Power-Ups,…) zurück. Im Vergleich zum ersten Rennen fällt damit ein größerer Anteil am Ergebnis auf andere Faktoren (Windschatten, PowerUps, Taktik) als die Leistung. Das wiederrum spricht dafür, dass die Rennen dieses mal mehr von Taktik geprägt wurden als von der reinen Leistungsfähigkeit. Auch die Tatsache, dass das Frauen- und Männerrennen seperat gestartet wurden trägt vermutlich seinen Teil dazu bei.

Schaut man sich die Leistung im Vergleich zur Platzierung an, erkennt man, wie bereits in Runde eins, immer noch einen Trend, welcher aber nicht mehr so deutlich hervor tritt wie beim Vergleich zwischen relativer Leistung und der Platzierung.

my plot

Auch diesmal war der Kurs zu “leicht” um den leichteren Fahrern einen Vorteil zu bieten. Basti Marks und Rick Zabel erwähnten im Live-Stream, dass eins der Rennen auf Alpe du Zwift ausgetragen werden soll. Es wird interessant zu sehen welchen Einfluss da das Gewicht spielen wird.

my plot

Sowohl das Männer, als auch das Frauenfeld boten wieder ein starkes sportliches Niveau. Doch welches Niveau musste man diesmal mitbringen um Chancen auf den Sieg zu haben? Dazu habe ich mir die Anthropologie und die Leistungsdaten der Top 10 nochmal genauer angeschaut.

Bei der Anthropologie zeigen sich wenig Unterschiede zum gesamten Feld. Die Top 10 ist minimal schwerer und etwas jünger als der durchschnittliche Starter.

Top 10: MännerGewichtGrößeAlter
Mittelwert70.618226.6
Std.Abweichung6.96.64.8
Minimum6017116
Median69.518326
Maximum82.319235
Anthropologie der Top10 der Männer

Bei der Leistungsfähigkeit sehen wir dann allerdings (erwartungsgemäß) deutliche Unterschiede zum Rest des Pelotons: die durchschnittliche Leistung lag ca. 30 W höher als im Schnitt. Die relative Leistung liegt entsprechend höher bei 4,7 W/kg und die NP bei 360 W. Die berechnete VO2max (mit allen Limitationen) ist ebenfalls höher mit 69,4 ml/min/kg.
Die Werte liegen allerdings insgesamt nicht so weit vom Durchschnitt entfernt wie noch in Runde eins.


Top 10: Männer
Leistung
[W]
HF
[S/min]
rel. Leistung
[W/kg]
NP
[W]
VO2max
[ml/min/kg]
Mittelwert3331734.735969.4
Std.Abweichung21.77.20.226.44.1
Minimum2921624.531661.6
Median3331744.835669.0
Maximum3681865.040574.9
Leistungsfähigkeit der Top 10 der Männer

Nun zu den Frauen: auch hier gibt es in Bezug zur Anthropologie keine nennenswerten Differenzen zur Gesamtheit des Feldes.

Top 10: FrauenGewichtGrößeAlter
Mittelwert57.4167.228.8
Std.Abweichung5.66.14.6
Minimum4915721
Median5616830.5
Maximum6817534
Anthropologie der Top 10 der Frauen

Wie bereits bei den Männern unterscheiden sich die Top 10 der Frauen leistungstechnisch vom Rest des Feldes in der durchschnittlichen Leistung (+ 24 W), damit auch in der relativen Leistung (+ 0.6 W/kg), der NP (+ 29 W) und der VO2max (+ 7 ml/min/kg). Hier liegen die Werte der Top 10 etwa eine Standardabweichung höher als bei der Gesamtheit des Feldes.

Top 10: FrauenLeistung
[W]
HF
[S/min]
rel. Leistung
[W/kg]
NP
[W]
VO2max
[ml/min/kg]
Mittelwert235.5173.64.1246.259.6
Std.Abweichung20.09.10.224.14
Minimum2021553.820854.2
Median237174424660
Maximum2621884.528065.1
Leistungsfähigkeit Top 10 der Frauen

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