Saison 2020? Ein paar Gedanken

Das Corona-Virus hält die Welt und natürlich auch die Radsport-Szene weiter im Lockdown. Viele Teams mussten zwischenzeitlich kreativ werden um sich wenigstens in den Social Media-Streams präsentieren zu können.
Das geschah in den letzten Tagen und Wochen z.B. auf Bkool bei “Virtual Flanders”, dem Alpecin Fenix Rennen auf ZWIFT, dem Team Ineos Rennen, aber auch auf (mehr oder weniger) kreative Art und Weise in dem die Teams ihre Fahrer was basteln liessen oder man alle zwei Tage eine neue Challenge (für mich jetzt schon das Unwort des Jahres!) ausruft.
Ostern war für viele ein erster kritischer Punkt in der Pandemie. Um Ostern rum entschieden sich viele Länder die aktuelle Situation neu zu bewerten und die aktuell geltenden Maßnahmen wie Ausgangssperren, Kontaktbeschränkungen, Ladenöffnungen, Schulschließungen etc. zu verlängern bzw. lockern.

Auch die UCI hat in der Zwischenzeit einen neuen Plan für die Saison 2020 ausbaldowert und gestern als Pressemitteilung veröffentlicht.
Die Eckdaten:

  • bis Ende Juni finden keine Rennen im Rennradbereich statt, Rennen mit World Tour-Status finden bis Ende Juli nicht statt
  • die Tour de France wird verschoben auf den 29. August bis 20. September
  • die Weltmeisterschaft findet wie geplant vom 20. – 27. September statt (Schweiz)
  • nach der WM wird der Giro d’Italia ausgetragen
  • direkt gefolgt von der Vuelta a Espana
  • die Monumente (Milan-San Remo, Paris-Roubaix, Ronde van Vlaanderen, Liège-Bastogne-Liège und Il Lombardia) sollen auch alle noch dieses Jahr stattfinden.
  • die Europameisterschaft (Italien) soll wie geplant vom 9. – 13. September stattfinden
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Das nennt man dann wohl Freizeit-Stress.

Wenn man die Überschneidungen (z.B. Europameisterschaft mit Tour de France) mal kurz außen vor lässt und davon ausgeht das alle Grand Tours regulär mit 21 Etappen ausgetragen werden, ergäbe das 73 Renntage in ~ 13 Wochen, also 91 Tagen.
Ich bin dazu davon ausgegangen, dass die Saison bis Ende November gehen würde um den Teams die Möglichkeit zu geben im Dezember die neue Saison vorzubereiten, welche regulär ja bereits Mitte Januar in Australien wieder starten würde.
Das ist ein strammes Programm, selbst wenn man davon ausgeht, dass jedes Team zwei Mannschaften aufstellen kann, welche ein unterschiedliches Programm absolvieren.

Klar ist – falls die Saison so stattfinden sollte wie aktuell geplant – dass die Teams ihre A-Mannschaft zur Tour de France schicken werden. Mit der WM nur eine Woche später, könnte es aber sein, dass wir dort nur ein Peloton ohne die “Stars” sehen werden, da diese sich wohl noch von der Tour erholen müssen. Vielleicht wird die UCI versuchen die Top-Fahrer dennoch an den Start zu kriegen, aber ob die dann tatsächlich konkurrenzfähig sind wage ich zu bezweifeln.

Das wird sich so ähnlich bei Giro und Vuelta abspielen. Wenn man davon ausgeht, dass der Giro Anfang Oktober stattfindet, wird kein Fahrer der die Tour (zu Ende) gefahren ist, im Anschluss beim Giro am Start stehen (oder zumindest nicht konkurrenzfähig sein/bis zum Ende durchfahren,…). Bei der Vuelta könnte dann ein Großteil des Pelotons am Start stehen, welches auch bei der Tour am Start war (auch wenn die Regenerationszeit zwischen Tour-Ende und Vuelta mit ca. vier bis fünf Wochen sehr knapp ist.

Um diese “Saison” überhaupt durchzukriegen sind viele Kompromisse nötig, das Ganze klingt aber – mit entsprechend guter Planung und Logistik – erstmal machbar.
Kritisch wirds mMn. dann aber wenns um die Monumente geht. Wo die in dieser Planung noch ihren Platz finden und welche Fahrer dort starten sollen erschließt sich mir nicht – außer man würde die Saison noch verlängern und ggf. die Saison 2021 auch noch kürzen/später starten.

Es bleibt abzuwarten ob die bis dato geplante Saison so überhaupt stattfindet oder die UCI nochmal korrigieren muss. Da die Tour de France für die Sponsoren und Teams die mit Abstand wichtigste Veranstaltung ist, wir die ASO und UCI alles daran setzen, dass zumindest die Tour dieses Jahr noch stattfindet – unter welchen Umständen auch immer. Bei den anderen Rundfahrten/Rennen könnte ich mir vorstellen, dass diese z.T. verkürzt werden oder eben doch noch ausfallen.
Wenn allerdings die Saison so wie oben beschrieben stattfindet, haben wir zumindest etwas worauf wir uns im Herbst freuen können.

2 Gedanken zu „Saison 2020? Ein paar Gedanken“

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