Gravel Weltmeisterschaft

Inzwischen dürften auch die eingefleischtesten Rennradfahrer und hartgesottensten Mountainbiker mitbekommen haben, dass der neue hippe Star am Radsport-Himmel die Gravel-Szene ist. Seit etwa zwei bis drei Jahren taucht in meinen Timelines immer häufiger Dirty Kanza und andere Gravel-Rennen auf und auch im Peloton bzw. in den Managements der Teams/Sponsoren ist man sich anscheinend bewusst, dass man hier marketingtechnisch aus der Menge hervorstechen kann. Anders ist es schließlich nicht zu erklären, dass letztes Jahr EF Education First als erstes World-Tour-Team mit Unterstützung von Rapha ihren “alternativen Rennkalender” präsentierten. Dieser Rennkalender sah vor, dass sich Fahrer von EF – allen voran Lachlan Morton – u.a. bei Gravel-Rennen versuchen durften. Neben Morton, traten aber auch weitere World-Tour-Profis wie z.B. sein Teamkollege Alex Howes, Peter Stetina, Ted King und Kiel Reijnen an. Gewonnen hat die letzte Edition des Dirty Kanza jedoch keiner der World-Tour-Profis, sondern der bereits als “Gravel-Spezialist” geltende Colin Strickland.

Die Gravel-Szene gilt gemeinhin als entspannt. Eher eventlustig als kompetitiv. Das bietet für viele Neueinsteiger eine deutlich geringere Einstiegshürde – v.a. gegenüber der traditionellen Straßen-Szene – und so erfreuen sich Gravel-Rennen in den letzten Jahren steigender Beliebtheit und rasantem Wachstum. Der Trend ist mittlerweile so groß geworden, dass diese Saison mit Ian Boswell und Peter Stetina gleich zwei aktuelle World-Tour-Profis den Einteiler an den Nagel hängen um sich gänzlich auf Gravel-Events zu fokussieren.
Das ist natürlich an der UCI nicht gänzlich vorbei gegangen und so lies der UCI-Präsident David Lappartient kürzlich verlauten, dass intern gerade darüber diskutiert werde eine Gravel-Weltmeisterschaft auszurichten.

Nach den bereits angekündigten eCycling-Weltmeisterschaften fragt man sich mittlerweile schon fast was aus der guten, traditionellen UCI geworden ist? 😉

Ich bin jedenfalls gespannt wie sich die UCI in die bis dato weitestgehend unabhängige Gravel-Szene einbringen möchte und ob und wenn ja wie sich der Sport weiterentwickelt. Persönlich verfolge ich die Rennen mit großem Interesse und fände ein gesteigertes öffentliches Interesse schön. Andererseits ist zu befürchten, dass der Charakter solcher Veranstaltungen dabei verloren gehen könnte und die Veranstaltungen zu kompetitiv werden und, überspitzt formuliert, zu Rennradrennen auf geschotterten Straßen werden – was mit Sicherheit nicht im Interesse der Gravel-Szene ist.

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