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06 Apr 2021 | Radszene, Rennrad, Rennen

UCI Regelupdate

Am Wochenende fand die Ronde van Vlaanderen statt und der geneigte Radsport-Fan wurde mit Sicherheit nicht enttäuscht. Van der Poel, van Aert, Alaphilippe, Asgreen & Co. haben das Rennen sehr spannend gemacht und uns Fans wurde genau der fantastische Radsport-Tag geliefert, den viele sich im Vorfeld herbeigesehnt hatten.

Neben dem rein sportlichen war die Flandern-Rundfahrt aber auch das erste große Rennen, seit die neuen UCI Regeln offiziell in Kraft getreten waren (Stichtag war der 1.4.21). Viele hofften bei den angekündigten neuen Regeln immer noch darauf, dass die UCI am 1.4. sagt "April, April!" - doch keine neuen Regeln... aber wir wurden enttäuscht und die neuen Regeln traten ab 1.4. offiziell in Kraft.

Neue Regeln?

Wer es verpasst haben sollte, hier in aller Kürze die neuen Regeln:

Littering

Nun wurde v.a. über die ersten beiden Punkte bereits seit längerer Zeit ausführlich und, meiner Meinung nach auch zu recht, sehr umstritten diskutiert. Daher möchte ich an dieser Stelle gar nicht weiter darauf eingehen. Sondern mich hat beim schauen der Flandern-Rundfahrt - und in den letzten beiden Tagen - v.a. der letzte Punkt beschäftigt.

Prinzipiell ist es natürlich gut wenn die UCI die Fahrer zwingt sich in ihrer Rolle als Vorbild auch entsprechend zu verhalten - nämlich keinen Müll zu hinterlassen. Jedoch ist die Auslegung der Regel meiner Meinung nach etwas fragwürdig.

Bei der "Ronde" hat Michael Schär (AG2R), nach etwa 100 km seine leere Trinkflasche einem Fan am Streckenrand zugeworfen:

When you realize you forgot new UCI regulations. pic.twitter.com/A9icwa1FIX

— Cycling out of context (@OutOfCycling) April 4, 2021

Laut neuer UCI-Regel ist das wergwerfen von Müll - und dazu zählen auch Radflaschen - aber seit dem 1.4. nur noch in sogenannten "Littering Zones" gestattet. Geahndet werden kann das illegale entsorgen mit einer Zeitstrafe oder, z.B. bei Eintagesrennen, sogar zur Disqualifikation führen. So geschehen im Falle von Michael Schär.

Nun kann man sagen: Regel ist Regel, da muss er sich halt dran halten. An dieser Stelle macht es sich die UCI aber, finde ich, zu einfach. Im Straßenradsport ist es lange Tradition (was nicht immer zwangsläufig gut sein muss), dass Fans, und dazu zählen v.a. Kinder, die weggeworfenen Radflaschen als Souvenirs aufsammeln und wie Trophäen behandeln.

Ich selbst erinnere mich noch an die Deutsche Meisterschaft irgendwann Ende der 1990er in St. Wendel, als ich eine Flasche von Grischa Niermann (den ich damals gar nicht kannte), aufgesammelt habe. Neben der Tatsache, dass ich den großen Erik Zabel live und wahrhaftig nur 2 m von mir entfernt hab stehen sehen, war das ergattern dieser Trinkflasche das mit Abstand Beste an dem ganzen Tag. Eine ganz ähnliche Story veröffentlichte Michael Schär am folgenden Tag auf seiner Instagram-Seite:

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Ein Beitrag geteilt von Michael Schär (@michaelschaer)

So sehr ich die Bestrebungen der UCI um Umweltschutz und ein "grüneres Image" auch teile, so falsch finde ich es, dass die UCI hier Fahrer und Fans "bestraft".

Das Beste am Radsport ist die unmittelbare Nähe zu den SportlerInnen, die sich u.a. auch dadurch manifestiert, dass man - mit etwas Glück - solche Souvenirs von einem Rennen mit nach Hause nehmen kann.

Ich hoffe, dass sich genügend Widerstand formiert und die Regel - zumindest für das offensichtliche wegwerfen von Flaschen zu Fans - wieder gelockert wird.

Radsport Rennrad Rennen UCI


31 Jan 2021 | Allgemein, Radszene

In Case You Missed It 01/2021

Der erste Monat des neuen Jahres liegt bereits hinter uns. Zeit nochmal ein bisschen zurück zu blicken: kleine, aber feine Auswahl lesenswerter Blogs, Artikel & Bücher, hörenswerter Podcasts, sehenswerter Videos & Fotos als Fundstücke des Monats. Viel Spaß damit!

San Marino für Radfahrer

Das Radelmädchen war im Oktober/November 2018 im Zwergstaat San Marino und berichtet darüber in ihrem Blog. Ich selbst war vor über 15 Jahren mit meinem damaligen Verein im Trainingslager in der Emilia Romagna und dann auch in San Marino. Der Bericht weckte viele Erinnerungen und lies direkt Fernweh aufkommen. Als Reiseziel für Radfahrer ist die Gegend einfach traumhaft!

Parkhaus-Everesting

Wer bisher der Meinung war, dass Everesting oder gar virtual Everesting bescheuert ist, der sollte sich die zwei Jungs aus dem Video mal zu Gemüte führen:

Karl Platt im Besenwagen: No brain no pain

Karl Platt war im Januar zu Gast im Besenwagen-Podcast. Herausgekommen ist eine sehr witzige Folge mit einem sehr sympatischen Karl Platt, der (unter anderem) von seiner Karriere vom Downhiller über Cross-Country-Fahrer bis hin zu einem der besten Marathon-Biker der Welt erzählt.

Talententwicklung im Radsport (englisch)

Okay, das hier ist vielleicht etwas "special interest", aber falls ein Nachwuchstrainer hier zufällig mitliest, möchte ich das Buch aufjedenfall weiterempfehlen. "Optimal Talent Development in Cycling: a guide for parents and coaches" beschreibt sehr anschaulich welches Training in den verschiedenen Entwicklungs- und Trainingsphasen für junge SportlerInnen angemessen ist und gibt hilfreiche Tipps wie man das Training verbessern kann. Das Buch wurde in Zusammenarbeit mit dem KNWU (Niederländischen Radsportverband) geschrieben - und die machen ja bekanntlich einiges richtig in ihrer Nachwuchsarbeit.

Dreambuild: S-Works Tarmac World Championships Edition

Mittlerweile sollte es ja kein Geheimnis mehr sein, dass ich mir gerne die Videos von Gee Milner aka. Dream Builds anschaue. Im Januar veröffentlichte Gee ein Video vom Aufbau eines besonderen Rades: S-Works Tarmac in der World Championship Edition.

Danny MacAskill - The Slabs

Ein neues Video von Danny MacAskill? Darf hier natürlich auf keinen Fall fehlen. Viel weniger Trial-lastig als in den alten Videos, aber dafür mit atemberaubender Landschaft:

Daniels Saisonausblick 2021

Daniel Lambertz - der Chef von Coffee and Chainrings - meldet sich mit seinen Plänen für die Saison 2021 zurück im Blog. Sehr interessante Ziele eines der zielstrebigsten Sportler die ich kenne!

ICYMI Szene Radsport


28 Jan 2021 | Training & Co, Radszene

Rapha FESTIVE 500 / 2020

Rapha fordert jedes Jahr Radfahrer weltweit dazu auf zwischen Weihnachten und Silvester an der FESTIVE500-Challenge teilzunehmen.

Rapha bringt es in wenigen Worten auf den Punkt worum es dabei geht:

500 Kilometer. Acht Tage. Von Heiligabend bis Silvester. Die Einschränkungen kommen und gehen, aber manche Dinge ändern sich nie.

In der Vergangenheit hat sich seit meiner ersten Teilnahme 2016 für mich persönlich jedoch irgendwie ein zweijähriger Rhythmus etabliert. Nachdem ich 2018 zum letzten Mal die Challenge gefahren bin und 2019 ausgesetzt hatte, war es 2020 also wieder mal soweit die FESTIVE500 anzugehen.

Die Voraussetzungen waren suboptimal: ich war seit Jahren nicht mehr so unfit wie dieses Jahr. Etwas Paniktraining im Dezember sollte mich soweit bringen, dass ich die FESTIVE500 halbwegs mit Würde und Anstand über die Bühne bringen kann.

Das Training im Dezember lief dann tatsächlich ganz gut und der Wetterbericht für die Zeit zwischen dem 24.12. und 31.12. war auch brauchbar für die Jahreszeit.

Trotzdem saß ich am 24.12. beim Frühstück und hatte NULL Bock. Nach kurzem Pep-Talk meiner Frau hab ich mich dann aber doch aufs Rad geschwungen um "wenigstens anderthalb Stunden zu fahren" und dann zu entscheiden ob ich Lust auf die komplette Challenge habe oder nicht.

Nach kurzer Zeit auf dem Rad - das Wetter war ganz nett und es lief überraschend gut - war ich dann voller Tatendrang und hatte richtig Lust auf acht Tage radfahren und die 500 km. Um mir selbst etwas mehr Druck zu machen habe ich, nach den fast drei Stunden, die ich am ersten Tag unterwegs war, schnell noch meinen Fortschritt auf STRAVA und Instagram verkündet. Jetzt musste ich also durchziehen oder mir irgendwann mein Scheitern eingestehen.

Die folgenden Tage verliefen dann eigentlich alle "ohne besondere Vorkomnisse". Das relativ milde Wetter und wenig Niederschlag machten es mir einfacher die geforderten Kilometer abzuspulen. Mein Ziel war die vollen acht Tage auszuschöpfen und damit lag mein Tagesziel (je nach Zeitbudget an dem Tag) zwischen zwei und vier Stunden. Das ist selbst im Winter gut machbar.

Hervorzuheben sind lediglich die letzten beiden Tage:

Der vorletzte Tag, mit einer grandiosen Fahrzeit von 57 Minuten, war tatsächlich der härteste. Nicht, weil ich müde war oder so, sondern weil das Wetter in der einen Stunde in der ich auf dem Rad saß so beschissen war. Nach der Arbeit wollte ich noch gemütlich anderthalb bis zwei Stunden abspulen. Zwar hätte ich an dem Tag mit zwei bis drei Stunden bereits die 500 km knacken können, aber wie oben erwähnt, wollte ich jeden Tag aufs Rad. Beim losfahren fing es bereits an zu Regnen und nach kurzer Zeit war ich klatschnass. Bei ca. Null Grad hatte ich ruckzuck eiskalt und nach nur 20 Minuten war ich gefühlt bereits halb erfroren, so dass ich nach 30 Minuten beschloss das Handtuch zu werfen, abdrehte und nach Hause fuhr.

Am letzten Tag machte das Wetter dann den Eindruck als wollte es mich nochmal herausfordern mit einem "Na, sicher dass du das zu Ende bringen willst?". Starker Schneefall den ganzen morgen und Temperaturen zwischen 0 und -5° C machten die letzten 30 km nicht sehr angenehm, aber ich hatte nochmal gute Gesellschaft und das fahren im Schnee machte auch Spaß, so dass die zwei Stunden recht zügig rumgingen.

Am Ende der Woche standen 509 km auf dem Tacho und ich war Stolz, die ganze Woche den inneren Schweinehund bei zum Teil richtig fiesen äußeren Bedingungen überwunden zu haben!

Tag 1

2:54 h
66,6 km / 722 m
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Tag 2

2:10 h
50,7 km / 105 m
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Tag 3

4:18 h
91,7 km / 1091 m
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Tag 4

4:10 h
101,1 km / 709 m
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Tag 5

3:50 h
56,4 km / 680 m
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Tag 6

3:11 h
83,9 km / 322 m
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Tag 7

0:57 h
20,2 km / 136 m
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Tag 8

1:54 h
38,9 km / 500 m
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Schade ist, dass es dieses Jahr keinen "woven roundel" für alle Finisher gab. Der Stoffpatch war in den Jahren davor (2016 und 2018) eine schöne Erinnerung an eine zugegebenermaßen verrückte Challenge.

Und für alle die interessiert sind, wo ich mich während der #FESTIVE500 so überall rumgetrieben habe, habe ich meine Fahrten auf einer Karte zusammengefasst:

FESTIVE500 Karte

Radsport Training Challenge